Der Kran-Fotograf

Jörg Häfeli

Jörg Haefeli (50), Fotograf, dokumentiert landauf landab Kranprojekte der unterschiedlichsten Art. Die Kranmonteure und Kranführer erlebt er als «spezielles Volk», dem er sich nach all den Jahren sehr verbunden fühlt. („die baustellen“ Nr. 07/08/2019)

Ich bin überzeugt davon, dass beim Fotografieren das Auge wichtiger ist als das Gerät, das man in den Händen hält. in der Hand hält. Gelingt es mir, die überraschenden Perspektiven zu finden und die Bilder schiesslich in guter Qualität festzuhalten, dann ist es dem Kunden völlig egal, ob ich mit einer superteuren Kamera oder einem günstigen Knippser hantierte.

Als professioneller Fotograf decke ich ein recht breites Spektrum ab. Neben Hochzeitsfotografie mache ich Reportagen und Dokumentationen im Kunstbereich – und bin sehr häufig auch auf Baustellen unterwegs. Dort liegt mein Fokus in der Regel auf den Baukranen, sowie den Menschen, die sie montieren und demontieren. In meinem Bildarchiv befinden sich mittlerweile rund 75’000 Bilder zum Stichwort «Kran».

Obendreher: Das wärs!

Ich bin gelernter Koch. Was ich über die Fotografie weiss, habe ich mir seit meiner Oberstufen-Zeit sukzessive selbst angeeignet. In meinen späteren beruflichen Stationen in ganz unterschiedlichen Branchen kam Know-how in IT, Layout, Bildbearbeitung und Pre-Press hinzu. Insbesondere in meinen Jahren in der Druckvorstufe des damals noch eigenständigen Langenthaler Tagblatts konnte ich die Finessen des Color Managements sowie der Printproduktion vertiefen.

Ich machte in jener Zeit regelmässig Landschafts-Aufnahmen von Langenthal und der Region ringsum. Meist hobbymässig, hie und da aber konnte ich auch Bilder im Tagblatt platzieren. Ich war deshalb stets auf der Suche nach aussergewöhnlichen Perspektiven. Und als kurz nach der Jahrtausendwende im Ort eine verhältnismässig grosse Baustelle mit einem mächtigen Obendreher eröffnet wurde, da wusste ich: Das wärs!

Ich brauchte dann zwei, drei Anläufe, um den Polier zu überreden, dass er mich auf den Kran lässt. Es lohnte sich. Denn oben traf ich nicht nur auf einen netten Kranführer, sondern auch auf fotografische Möglichkeiten, die mich seither nicht mehr loslassen.

Der Startschuss für meine gewerbliche Tätigkeit als Fotograf fiel an der Expo 02. Mit Bildern von Kunst und Leuten vor wunderbarer landschaftlicher Kulisse gelang es mir erstmals, Fotos auch über die Region hinaus zu verkaufen. Da begann ich mir erstmals Gedanken darüber zu machen, ob die Fotografie für mich ein Broterwerb sein könnte. Mittlerweile ist sie es seit bald 15 Jahren. Auf wie viele Krane ich seither kraxelte, um Bilder vom Gerät, dessen Montage oder Demontage sowie der Landschaft zu machen, kann ich beim besten Willen nicht beziffern.

Gute Kontakte

Die Kranleute sind ein spezielles Volk. In ihrer Gemeinschaft fühle ich mich wohl und angenommen. Im Auftrag der jeweiligen Unternehmen begleite die Monteure, verbringe viel Zeit mit ihnen, lebe fast ein bisschen mit ihnen. So gelingt es mir nicht nur, ihre Abläufe, Handgriffe und die Technik zu verstehen und zu fotografieren, sondern mehr und mehr auch ein bisschen die Art dieser tollen Leute. Das kommt gut an.

Auch die Kranunternehmer reagierten von Anfang an offen auf mich. Sie realisierten, dass ich mich ehrlich interessiere und authentische Bilder mache, die für ihre Kommunikation und ihre Akquise wichtig sind. Mittlerweile habe ich zu den meisten grösseren Kranunternehmen des Landes gute Kontakte.

Mit meiner Reportage- und Hochzeitsfotografie sowie meinem reichhaltigen Bildarchiv gelingt es mir, meine Rechnungen zu zahlen. Das – und eine gute Gesundheit obendrauf – mehr brauche ich nicht, um zufrieden zu sein. Wenn mich einer fragt, wo ich am liebsten bin, dann muss ich nicht überlegen: Zuvorderst auf einem Kranausleger. Mit einer Kamera in der Hand.

Beat Matter