Die Baumeister-Präsidentin

Doris Kälin (59) leitet den kaufmännischen Bereich sowie das Personalwesen der Sepp Kälin AG in Einsiedeln. Neben dem Engagement im Familienbetrieb wurde sie im März zur Präsidentin des Baumeisterverbands Schwyz gewählt. Als erste Frau schweizweit. („die baustellen“ Nr. 05/2019)

Der Bau war zeitlebens um mich herum. Mein Vater war Architekt. Mein Grossvater hatte eine Zimmerei. Aus heutiger Sicht kann man fast sagen: Ich wurde in den Bau hinein geboren.

Trotzdem wählte ich für mich einen beruflichen Weg im kaufmännischen Bereich. Ich machte das Handelsdiplom, arbeitete bei einer Treuhandfirma und leitete wenig später die lokale AHV-Zweigstelle hier im Ort. Ich rutschte beruflich erst in die Baubranche, als ich meinen Mann kennenlernte. Er hatte Mitte der 1970er Jahre seine Firma gegründet und bot seine Baudienstleistungen zu jener Zeit noch als Einmannbetrieb an. In den folgenden Jahren aber wuchs das Unternehmen sukzessive. Und so verlagerte ich meine Arbeit mehr und mehr in die Bauunternehmung, wo ich fortan in unterschiedlichen Pensen neben Familienpflichten und weiteren Ämtchen den kaufmännischen Bereich sowie das Personalwesen betreute. Heute ist Sohn Daniel dabei, Schritt für Schritt die Geschäftsleitung zu übernehmen. Im Betrieb beschäftigen wir rund 40 Personen.

Wir sind eine klassische Bauunternehmung mit Fokus auf dem Hochbau sowie auf Renovationsarbeiten. Wir machen aber auch Leitungs- und Kanalisationsbau sowie weitere kleinere Tiefbau- und Umgebungsarbeiten. Die Arbeit im Familienbetrieb und in der Baubranche gefällt mir sehr. Die Tätigkeit ist abwechslungsreich, man kommt laufend in Kontakt mit neuen Bauherrschaften und neuen baulichen Herausforderungen. Auch das Bauen und Renovieren als solches fasziniert mich. Es ist schon verblüffend, wie sich der Bau in den letzten Jahrzehnten verändert und weiterentwickelt hat.

Zahlreiche Aufgaben

Ich engagierte mich stets in verschiedenen Vereinen, Organisationen und Parteien. Ich sehe darin interessante Gelegenheiten, um mich neuen Herausforderungen zu stellen und mich für Anliegen einzusetzen, die mir wichtig sind. So war ich während 12 Jahren für die FDP Schwyz im Kantonsrat, den ich 2013/2014 präsidierte. Den Gewerbeverein Einsiedeln präsidierte ich während acht Jahren und bin heute noch als OK-Präsidentin für die Gewerbeausstellung zuständig. Ebenfalls seit gut zehn Jahren bin ich im Vorstand des Baumeisterverbands Schwyz (BVS) aktiv, wo ich mich ideal als Bindeglied zwischen Gewerbe und Politik einbringen konnte. Über all diese Funktionen und Tätigkeiten bin ich mittlerweile sehr gut vernetzt und kann da und dort Türen aufstossen, die anderen verschlossen bleiben.

Erste Präsidentin

Diesen März wurde ich von der Generalversammlung des BVS zur Präsidentin gewählt. Die entsprechende Anfrage kam etwas überraschend. Als jedoch sowohl der amtierende Präsident wie auch sein Vizepräsident aufgrund der geltenden Alters-Guillotine abtreten mussten, war ein Ersatz gefragt, der eine gewisse Kontinuität gewährleisten kann. Als ich angesprochen wurde, zögerte ich kurz. Nach ein, zwei Tagen Bedenkzeit sagte ich aber gerne zu.

Dass ich nun als erste Frau in der Schweiz einen Baumeisterverband präsidiere, ist mir eine Ehre. Dass der Schwyzer Vorstand derzeit zur Hälfte von Frauen gestellt wird, freut mich zusätzlich. Ich bin dankbar, schenken mir die Schwyzer Baumeister damit ihr Vertrauen – ich werde mich nach Kräften für die Anliegen der Branche einsetzen. Dabei sind für mich die Entbürokratisierung im Bereich von öffentlichen Aufträgen, die Einschränkung des Verbandsbeschwerderechts und nicht zuletzt die Nachwuchsförderung zentrale Stichwörter. Daneben sorge ich weiterhin dafür, dass im Büro unseres Familienbetriebs alles rund läuft.

Beat Matter