Der Betoner

Christoph Arnold in seinem Atelier.

Christoph Arnold (34), Sekundarlehrer, stellt in seinem Atelier dekorative Design-Objekte aus Beton her. Seine Hauptprodukte sind Wandwürfel in verschiedenen Formaten, die er mit Fotos bedruckt. Aber auch Accessoires hat er im Sortiment. („die baustellen“ Nr. 03/2019)

Beton ist ein tolles, lebendiges Material: Zunächst nur Pulver und Wasser, dann ein viskoser Brei, und schliesslich steinhartes Material. Bevor es erstarrt, ist Beton in der Formgebung unglaublich flexibel. Vom massiven Würfel über runde Becher bin hin zu schlanken Visitenkarten oder gar filigranen Herrenfliegen, wie ich sie manchmal trage, habe ich in meinem Atelier bereits alles aus Beton gefertigt.
Spannend finde ich, wie aus einem ganz alltäglichen und omnipräsenten Material wie Beton etwas ganz Aussergewöhnliches wird, wenn man es in ungewohnter Weise verwendet und in eine andere Umgebung verpflanzt. Indem ich den Beton mit meinen Formen und Produkten in den Wohnraum hinein hole, bekommt er eine ganz neue Wirkung.
Mein Hauptprodukt ist der mit Fotos bedruckte Wandwürfel, den ich in verschiedenen Formaten produziere. Er ist ein spezielles Nischenprodukt, das seine Liebhaber aber quer durch alle sozialen Schichten und Gruppen findet. Um mein Sortiment daneben in eine etwas mainstreamigere Richtung zu erweitern, experimentiere ich seit Anfang Jahr vermehrt mit Beton-Accessoires: Kerzenständer, Aschenbecher, Serviettenhalter, der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Mit solchen Accessoires möchte ich versuchen, meine Betonarbeiten etwas stärker unter die Leute zu bringen.

Pflotschen in Tansania
Meine Eltern beteiligten sich in den 1980er Jahren an einem Entwicklungshilfeprojekt in Tansania. Ich wurde in dieser Zeit geboren. Und so erlebte ich eine frühe Kindheit in Afrika, die vorwiegend im Freien stattfand. Wir spielten vor den Hütten auf holprigen Strassen und Plätzen, pflotschten und werkelten dort nach Herzenslust mit Lehm, Sand und weiteren Materialien. Da blieb etwas bei mir hängen. Und liess mich bis heute nicht mehr los.
So richtig den Ärmel rein nahm es mir beim Beton aber erst, als ich später als ausgebildeter Lehrer mit meinen Schülern im Werken zu betonieren begann. Es war in jener Zeit, als ich damit begann, mich künstlerisch mit Beton auseinander zu setzen. Und alsbald studierte ich daran herum, wie man betonierte Würfelformen dünnwandiger, schlanker und somit leichter produzieren könnte. Es war die Startphase meines Wandwürfels.
Auf die Idee, die rohen Betonwürfel mit Fotos zu bedrucken, kam ich durch einen Kollegen, der zur Geburt seines Sohnes nach einem ausgefallenen Geschenk suchte. Ich hirnte und hirnte, was ich ihm da anbieten könnte. Und begann schliesslich, mit Fotodruck auf Beton zu experimentieren. Zunächst mit grauenhaften Ergebnissen. Dann aber, viele Versuche und Druckmethoden später, konnte ich Bilder in guter Qualität auf Beton übertragen. Mittlerweile kann ich als Spezialität die Betonwürfel über drei Seiten hinweg mit Panoramafotos zu bedrucken. Wie das genau funktioniert, ist aber mein kleines Geheimnis.

Arbeit im Vordergrund
Ich bin permanent am Tüfteln. Es ist für mich der aufregendste Teil meines Betonhandwerks. Wie erreiche ich einen noch besseren Beton? Wie gelingt es mir, noch filigranere Formen zu betonieren? Wie und womit könnte man diese schalen? Solche und tausend weitere Fragen beschäftigen mich weit über die Zeit hinaus, die ich neben Beruf und Familie in meinem Atelier verbringe. Ein bisschen rotiert es immer in meinem Kopf.
Sicher: Ich habe Spass an meinem Produkten. Und es ist zweifellos mega, wenn Menschen sie bei mir kaufen und Freude daran haben. Im Zentrum für mich persönlich aber steht die kreative Arbeit. Ihr gilt meine Leidenschaft.

Beat Matter