6 Rappen pro Schriftzeichen

Alles ist relativ. Auch ein Honorar-Ansatz von 6 Rappen pro Schriftzeichen. Für einen Tweet von 140 Zeichen 8.40 Fr. zu zahlen, wäre grosszügig. Einen Hintergrund-Beitrag von 10’000 Zeichen mit 600 Fr. abzugelten, wäre knausrig.

Lesern von (gedruckten) Zeitungen und Zeitschriften begegnen sie regelmässig, die Beilagen von „Mediaplanet“. Die Beilagen hiessen zuletzt „Kopfsache“, „Business Travel“, „Schweizer Berge“ oder „Mundgesundheit“ (Das entsprechende Cover zierten ein Foto von Christa Rigozzi und die Zeile: „Nicht ohne meine Zahnbürste“).
Das Konzept: Der Verlag kreiert mit seinen monothematischen und journalistisch anmutenden Beilagen ein möglichst attraktives Werbeumfeld für Unternehmen, die im jeweiligen Themengebiet tätig sind. Er tut das gemeinsam mit seinen Kunden: „Sie entscheiden, wie wir Sie vermarkten sollen“, schreibt Mediaplanet.

„Mediaplanet ist ein international tätiges Verlagshaus und weltweit in 15 Ländern führender Herausgeber von themenspezifischen und zielgruppenaffinen Inhalten, die durch führende Tageszeitungen, wie beispielsweise Tages-Anzeiger, Blick, Bilan, Le Matin, sowie durch themenrelevante Onlineportale, publiziert werden“, so beschreibt sich das Unternehmen in einer Stellenausschreibung selbst.

Um die Publikationen mit gefälligen Texten zu füllen, sucht das Unternehmen Leute, die schreiben können. Und bereit sind, das sehr günstig zu tun. Laut einer zuverlässigen Quelle zahlt Mediaplanet 6 Rappen pro Schriftzeichen. Für ein Textlein von 3000 Zeichen, wie man es in solchen Publikationen häufig sieht, käme somit ein Honorar von 180 Franken zusammen (falls für Leerschläge auch 6 Rappen bezahlt werden). Für Textbeiträge im PR-Bereich ein wahnsinnig tiefer Ansatz.

Die Nachfrage beim Managing Direktor der Schweizer Niederlassung von Mediaplanet landet bei einem Mitarbeiter. Er bestätigt: „Wir suchen freischaffende Journalisten, die für unsere Themenzeitungen Texte verfassen.“ Nicht konkret bestätigen will er jedoch den Honoraransatz von 6 Rappen pro Zeichen. Der Zeichenansatz werde je nach Ausbildung und Erfahrung festgelegt.

Wegen niedriger Honorare für journalistische Arbeit halten sich in der Schweiz zahlreiche freie Journalisten mit PR-Aufträgen oder anderweitigen Schreibarbeiten über Wasser. Je nach Kunde sind solche Aufträge zum Teil massiv besser bezahlt als journalistische Arbeiten. Das könnte sich ändern, wenn die PR-Branche merkt, dass Journalisten auch für viel weniger Geld zu arbeiten bereit sind.

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