Seebär Rickli

Roland Rickli (56) ist Schiffsführer bei der Kibag AG. Er beliefert mit den traditionellen Ledischiffen auf dem Zürichsee die Betonwerke in Wollishofen und Tiefenbrunnen. („die baustellen“ Nr.03/2017)

Ich bin seit 13 Jahren bei der Kibag tätig und hier in Nuolen einer von drei Schiffsführern. Wie oft ich in dieser Zeit mit Ledischiffen den Zürichsee runter und wieder hoch gefahren bin, habe ich nicht gezählt. Dennoch: So einen See kennt man nie wirklich im Schlaf.

Die Kiesschiffe sowie das umgebaute Eventschiff «Ufnau» zu steuern und kleinere Unterhaltsarbeiten daran vorzunehmen sind meine Hauptaufgaben. Dazu kommen diverse Unterhaltsarbeiten an den Anlagen sowie unweit von hier auf der Bätzimatt, wo die Kibag 1926 ihren Ursprung hatte und ein kleines Museum betreibt. Auch sorgen zusätzliche Einsätze für Schleppfahrten oder etwa auch die Positionierung der schwimmenden Plattformen für die grossen Zürcher Feuerwerke für Abwechslung. Eintönig wird es nie.

Eine Tour ist eine Tagesreise

Eine Besonderheit unter den Ledischiffen ist der Saturn, der mit seinen 60 Metern das längste Schiff auf dem Zürichsee ist. Verglichen mit früher hat sich der Frachtverkehr auf dem Zürichsee verringert und es sind nur noch wenige Anlegestellen in Betrieb. Wir beliefern schwerpunktmässig unsere Betonwerke in Wollishofen und Tiefenbrunnen.

Die kleineren Schiffe beladen wir mit 200 bis 260 Kubikmeter Kies, der Saturn fasst mit bis zu 500 Kubikmetern das Doppelte. Mit ihm können wir bei Bedarf beide Werke in einem Mal bedienen – und so dem Strassenverkehr um den See und in der Stadt Dutzende von LKW-Fahrten ersparen.

Eine Tour von Nuolen zum Hafen Tiefenbrunnen ist eine Tagesreise, die wir jeweils zu zweit machen. Drei Stunden hin, fünf Stunden entladen, zweieinhalb Stunden zurück. Schneller können die Motoren nicht, selbst wenn man wollte. Irgendwie mag ich das.

In der Sommersaison ist der See oft unglaublich stark befahren. Manchmal kommt es mir vor, als würde ich mit einem Lastwagen quer durch den Wald fahren. Da muss man den Kopf bei der Sache haben. Unfälle hatte ich bisher glücklicherweise keine.

Die Schifffahrt im Blut

Die Schifffahrt liegt bei uns in der Familie. Mein Grossvater war schon auf dem See unterwegs. Mein Vater sogar schon mit Ledischiffen. Kein Wunder also, war auch ich schon als «Büebel» ständig mit Booten auf dem Wasser. Gelernt habe ich dann doch Autospengler. Im Hinterkopf aber blieb stets der Wunsch, beruflich aufs Wasser zu kommen. Und als mir ein Sandkastenfreund bei der Kibag sagte, sie bräuchten einen Schiffsführer, ergriff ich die Gelegenheit. Bis heute habe ich das nie bereut.

Verglichen mit den Frachtfahrten sind die Eventfahrten mit der «Ufnau» deutlich lebhafter. Man trägt dabei als Schiffsführer die Verantwortung für vielleicht hundert Personen in Fest- und Feierlaune – die man bisweilen auch etwas im Zaun halten muss. Die Anforderungen hierfür sind ganz anders, als wenn da einige Kieshaufen ruhig vor einem liegen. Spass macht mir beides: Fahrten mit Kies und mit Passagieren.

Arbeitsweg im Boot

Bei meiner Arbeit geniesse ich ein hohes Mass an Freiheit. Ich bin an der frischen Luft, viel auf dem Wasser und kann sehr selbstbestimmt arbeiten. Wirklich, bei schönem Wetter ist das hier ein Traumjob.

Trotz all der Berufsfahrten ist mir der See bis heute nie verleidet. Ich geniesse es, für den Arbeitsweg das Boot zu nehmen, während andere in der S-Bahn eingepfercht sind. Und auch in der Freizeit fahre ich nach wie vor gerne raus.

Nach meiner Pensionierung möchte ich – sofern es die Gesundheit zulässt – noch andere Gewässer erkunden. Kanalfahrten in Richtung Frankreich würden mich beispielsweise sehr reizen.

Beat Matter