Kaderschmiede Hund

Beat Matter

Max Caironi, 51, Leiter Werkhof der Gemeinde Neuenhof, steht seit 25 Jahren im Dienste der Öffentlichkeit. Der ehemalige Spitzen-«Hündeler» weiss , ohne Leine und Maulkorb zu führen. (die baustellen Nr. 12/2009)

Ja, wie ist das gelaufen … Ich habe 1985 hier angefangen. Bis vor drei Jahren machte ich die Werkstatt, die komplette Werkstatt – alleine. Ich bin gelernter Maschinenmechaniker mit einer Zusatzausbildung zum Automechaniker. Ich trat also in einen Bereich ein, der mir sehr entsprach. Vor drei Jahren dann wurde mein Vorgänger pensioniert. Daraufhin fragte man mich, ob ich die Leitung des Werkhofs inklusive der Werkstatt übernehmen wolle. Für mich eine super Herausforderung, also sagte ich zu. Die Koordination des Bauamts ist ein vielseitiges Gebiet: Arbeitseinteilungen, Fragen von Mitarbeitern, lobende, aber auch bemängelnde Telefonanrufe aus der Bevölkerung gilt es zu bewältigen, Neuanstellungen, das Rapportwesen, Qualifikationen, Winterdiensteinteilungen und so weiter und so fort. Mein Team besteht aus zehn Vollzeitangestellten und zwei Teilzeitlern.
Meiner Erfahrung nach ist es viel einfacher, über den Chef zu schimpfen, als den Chef zu spielen. Wenn man es gut macht, sieht es von aussen schnell einmal ganz simpel aus. Aber es gibt derart viel zu tun und zu entscheiden, dass es faktisch alles andere als ein Kinderspiel ist. Natürlich gibt es für beinahe jede Tätigkeit entsprechende Vorschriften und Reglemente. Situativ muss oder kann ich allerdings entscheiden, ob wir beispielsweise einer alten, alleinstehenden Frau einen Dienst erweisen, der eigentlich nicht unseren Aufgaben entspricht. Das zu entscheiden, liegt in meiner Kompetenz. Bloss muss ich dann auch dafür sorgen, dass nicht plötzlich jeder Einwohner von diesem Dienst profitieren will, den wir jener alten Dame ausnahmsweise erwiesen haben.

Effizient geworden
Tatsächlich ist es nächstens 25 Jahre her, seitdem ich hier in den Gemeindedienst eingetreten bin. Seither hat sich schon einiges verändert. Früher war der Betrieb hier, wie soll ich sagen, schon träge. Es waren halt Beamte an der Arbeit. Irgendwann aber gab es neue Verträge, es wurde alles reorganisiert und tatsächlich wurde alles besser. Wir arbeiten heute beinahe wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen, sind flexibler, selbständiger und dadurch massiv speditiver. Dennoch sind wir zuweilen nach wie vor mit einem Image des trägen Gemeindebetriebs konfrontiert. Demgegenüber erreichen uns ab und an aber auch Dankesschreiben aus der Bevölkerung. Es sind Indizien dafür, dass wir eine ganze Menge ganz gut machen, wovon ich sehr überzeugt bin.

Schweizer Meister
Ebenso überzeugt und sehr angefressen war ich über zehn Jahre hinweg von meiner Freizeittätigkeit als aktiver «Hündeler». Gemeinsam mit meinem damaligen Dobermann habe ich tatsächlich die stolzen Titel eines Schweizer Meisters in der Kategorie Schutzhund II und eines Vizemeisters im Fährte II erreicht. Mit einem ganz und gar nicht einfachen Hund wie dem Dobermann solche Leistungen zu erbringen, bedeutet vor allem eines: sehr viel Engagement. Es braucht wahnsinnig viel Zeit. Und als ich heiratete und unser Töchterchen zur Welt kam, war es mir wichtiger, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, weshalb ich den Hundesport aufgab.
Nach wie vor habe ich allerdings einen Dobermann – und geblieben sind auch die Erfahrungen aus dem Hundesport: Denn der Dobermann ist ein vielschichtiger Hund. Man muss ihn konsequent führen und muss Fehler korrigieren. Allerdings muss man sie richtig und konstruktiv korrigieren. Macht man es falsch, geht es völlig schief. Gut möglich, dass mich der Hundesport gewissermassen auf meine heutige Funktion vorbereitet hat.

Beat Matter