«Ich zähle die Modelle nicht»

Heinz Eberhard (62), Verwaltungsratspräsident der Eberhard Unternehmungen, hat in den letzten 50 Jahren eine der weltweit grössten Sammlungen von Baumaschinen-, Lastwagen- und Kranmodellen zusammengetragen. Zu sehen ist sie im firmeneigenen Museum Ebianum. („die baustellen“ Nr.02/2020)

Ich werde immer wieder gefragt, wie viele Modelle ich in meiner Sammlung habe. Darauf sage ich jeweils scherzhaft, dass ich noch darauf warte, bis sie jemand zählt. Ich zähle sie nicht. Es dürften aber rund 3000 Modelle aus den Bereichen Baumaschinen, Lastwagen und Schwertransport sowie Krane sein. Während vielen Jahren hatte ich die Stücke bei mir daheim aufgestellt und zeigte sie ausschliesslich im privaten Rahmen. Seit wir das Ebianum, das firmeneigene Museum der Eberhard Unternehmungen, 2015 eröffneten, ist die Sammlung als integrierter Bestandteil der Ausstellung zu besichtigen. Einen so prominenten Auftritt meiner Modellsammlung habe ich mir nie vorgestellt. Aber ich habe grosse Freude, heute jungen bis älteren Besuchern zuzuschauen und zuzuhören, wie sie verblüfft zwischen den Ausstellungsvitrinen stehen – und meine Freude an den Modellen teilen.

Mit Sackgeld ins Niederdorf

Baumaschinen und der Bau insgesamt gehörten für mich zeitlebens zur täglichen Normalität. Ich bin in einer Bauunternehmung aufgewachsen. Es gab meistens mehr Arbeit als Köpfe. So waren wir schon in jungen Jahren auf den Baustellen im Einsatz, der Eishockeyverein hat vergebens auf uns gewartet. Baustellen und Kiesgruben waren immer das grosse Thema und gehörten auch bei Sonntagsausflügen zum regelmässigen Ausflugsziel. Die Stube daheim war zugleich das Sitzungszimmer. Hier wurde geplant, kalkuliert und verhandelt. Auch Vertreter von Baumaschinen sassen am Tisch, breiteten ihre Prospekte aus und informierten über neue Produkte. Kam es zu einer Bestellung, liess manchmal einer dieser Vertreter ein Modell einer Baumaschine als Präsent stehen. Der Grundstein für die Sammlung war gelegt. Die Modelle hatten noch auf einem Tablar im Schlafzimmer Platz. Sie dienten auch als Schulungsgeräte. Mit dem Muldenkipper richtig zum Bagger hinfahren, mit dem Anhängerzug rückwärtsfahren, oder im Sandhaufen richtige Baustellen nachbilden. Unsere damaligen Blech-Pneutraxe und Muldenkipper von Tonka hielten viel aus. Mit einigen davon spiele ich heute mit den Enkeln im Sandkasten.

Als ich später in Zürich zur Schule ging, betrieb Otto Troendle im Niederdorf noch seinen technischen Spielwarenhandel. Er vertrieb damals die wichtigen Modell-Marken wie Gescha, Conrad oder NZG. Vor Troendles Schaufenster stand ich bei jeder Gelegenheit und hatte glänzende Augen. So investierte ich das auf den Baustellen verdiente Sackgeld in Modelle, im Schlafzimmer wurde es immer enger.

Heimbörse als Höhepunkt

In früheren Jahren, als neue Modelle in deutlich loserem Rhythmus lanciert wurden als heute, kaufte ich mehr oder weniger, was auf den Markt kam. Ältere Raritäten fand ich auf Börsen. Heute kaufe und tausche ich, was mir gefällt. Eine besondere Vorliebe habe ich für Modelle des amerikanischen Herstellers CCM. Dessen Neuigkeiten lasse ich mir nach wie vor gewissermassen im Abo zukommen. Ich stehe gerne inmitten meiner Sammlung, schaue mir mal dieses mal jenes Modell lieber an – und lasse mir die Geschichten und Erinnerungen durch den Kopf gehen, die damit verknüpft sind.

Um diese Leidenschaft zu teilen und den Kontakt zu anderen Fans, Modellbauern oder auch Händlern zu pflegen, sind Modellbörsen, wie sie beispielsweise jährlich im Ebianum* stattfindet, die ideale Gelegenheit. Als «Heimbörse» ist sie für mich als Sammler natürlich ein Höhepunkt, auf den ich mich Jahr für Jahr freue.

Beat Matter