«Keine Fuhre ist wie die andere»

Hans Flück (53) ist als Chauffeur bei der Bereuter AG in Volketswil dafür zuständig, dass die grossen Baumaschinen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort transportiert werden. Obwohl er im Strassenverkehr immer wieder mit Respektlosigkeiten konfrontiert ist, verleidet ihm das Fahren nicht. („die baustellen“ Nr.01/2020)

Ich bin bei der Bereuter AG verantwortlich für den Transport der grossen Baumaschinen vom Werkhof auf die Baustelle oder von einer Baustelle zur nächsten. An dieser Funktion reizt mich die Herausforderung, Transporte möglich zu machen, die manchmal auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. Keine Fuhre ist wie die andere. Bei jedem Auftrag bin ich mit neuen Knacknüssen konfrontiert – seien es beengte Bauplätze, allzu reger Strassenverkehr oder schwierige innerstädtische Passagen. Geht nicht, gibt’s dabei nicht. Die Maschinen werden an ihren Bestimmungsorten gebraucht. Also bringe ich sie hin. Und das seit bald 18 Jahren bei Bereuter AG

Der Zeitplan für die Transporte ist meistens eng. Die Erfahrung lehrt einen, sich trotzdem nicht hetzen zu lassen. Mit Pressieren verdient man in diesem Job kein Geld. Im Gegenteil: Es wird schnell teuer, wenn man zu hauern beginnt. In all den Jahren bin ich bislang vor gröberen Vorfällen verschont geblieben. «Holz arecke!»

Seit jeher ein Traum

Ich wollte schon als kleiner Junge Lastwagenchauffeur werden. Als es um die Berufswahl ging, sagte man mir jedoch, Chauffeure hätten keine berufliche Zukunft, ich solle deshalb lieber einen anderen Beruf erlernen. Ich machte schliesslich eine Lehre als Automechaniker und arbeitete ein paar Jahre auf dem Beruf weiter. Der Traum des Lastwagenfahrens aber liess mich nie los.

Eines Tages beschloss ich, Nägel mit Köpfen zu machen. Ich machte die Prüfung und wurde Chauffeur. Zunächst fuhr ich im Holzgewerbe, dann war ich für eine weitere Firma vorwiegend mit Kippern unterwegs. Vor rund 20 Jahren stiess ich auf eine Annonce der Bereuter AG, die einen Chauffeur für einen Kranwagen suchte. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Nach zwei Jahren auf dem Kranwagen bot sich die Gelegenheit, den grossen Sattelschlepper für die Maschinentransporte zu übernehmen. Ich zögerte keine Sekunde, denn ein Schlepper war genau das, was ich schon immer fahren wollte.

Es gibt Tage und Wochen, in denen ich fast ausschliesslich Maschinen transportiere. Entweder Maschinen der Bereuter-Gruppe. Oder Mietmaschinen, die wir für Avesco in der ganzen Schweiz verschieben. Ist einmal kein Transportbedarf, hänge ich den Kippauflieger an und fahre Aushub, Kies oder anderes. Das ist zwar weniger interessant, aber zwischendurch eine willkommene Entspannung.

Chaotischer Verkehr

Als Chauffeur ist man fast permanent mit Leuten konfrontiert, die meinen, man stehe ihnen im Weg oder man fahre ihnen zu langsam. Schimpft mich jemand direkt an, versuche ich stets, betont freundlich zu reagieren. Ich erkläre jeweils, dass auch ich grösstes Interesse daran habe, so rasch wie möglich weiterzukommen. Das hilft meist, die Leute etwas zu beruhigen.

Insgesamt aber ist im heutigen Strassenverkehr kaum mehr respektvolles Verhalten zu erkennen. Gegenüber Lastwagen und Chauffeuren am allerwenigsten. Manchmal habe ich fast das Gefühl, es gebe einen natürlichen Reflex, der Automobilisten zwingt, jeden Lastwagen sofort zu überholen und sich umgehend vor ihnen in eine noch so kleine Lücke zu zwängen. Trotz teils chaotischen Zuständen auf den Strassen: Die Lust am Fahren habe ich in all den Jahren nie verloren. Entspannung vom anforderungsreichen Arbeitsalltag finde ich am ehesten daheim im Kreis der Familie. Bisweilen gehe ich meiner Tochter auf dem Bauernhof zur Hand. Mein Enkel kommt dieses Jahr in den Kindergarten. Er fragt andauernd, wann er endlich mal in meinem Lastwagen mitfahren darf. Ich denke, es ist bald soweit.

Beat Matter