Bauen für die Allgemeinheit

Beat Matter

Karin Schiesser (29) ist Bauleiterin bei der BG Ingenieure und Berater AG in Baar. Für ihren Bauleiter-Diplomabschluss bekam sie diesen November einen Goldenen Baumaster des Campus Sursee verliehen. Für sie aber steht der Wissensgewinn im Vordergrund. („die baustellen“ Nr.12/2017)

Seit Januar bin ich als Bauleiterin in der Stadt Zug tätig, wo wir parallel zwei Projekte realisieren: Erstens das Projekt «Entwässerung Zug Nord», in dem wir die Infrastruktur erstellen, um aufgetrenntes Sauberwasser aus der Stadt in den Zugersee zu leiten und so die Abwasserreinigungsanlagen zu entlasten. Und zweitens das Fernwärmeprojekt «circulago» der Wasserwerke Zug. Bei beiden Projekten kommt das Microtunneling-Verfahren zur Anwendung. Wir bohren in zehn Metern Tiefe mehrere Teilstrecken von insgesamt rund 2,7 Kilometern Länge. Eine so lange Microtunneling-Strecke im städtischen Untergrund ist selten. Entsprechend aufmerksam werden unsere Arbeiten von Behörden und Bevölkerung verfolgt. Bis Anfang Sommer 2018 sollte der Vortrieb abgeschlossen sein, die Hauptarbeiten bis im Herbst.

Das Wissen zählt

Diesen Herbst habe ich für meinen Diplomabschluss als Bauleiterin einen Goldenen Baumaster des Campus Sursee erhalten. Zum Ergebnis trugen mehrere Teilabschlüsse bei, darunter eine Diplomarbeit, die ich über das Sicherheitskonzept unseres aktuellen Zuger Grossprojekts schrieb. Die Auszeichnung für den guten Abschluss freut mich, steht aber für mich nicht im Vordergrund. Wichtiger als das Abschlussergebnis ist mir das Wissen, das ich durch die Weiterbildung gewinnen konnte.

Mit dem Diplomabschluss bin ich für die Höhere Fachprüfung als Bauleiterin zugelassen. Ursprünglich hatte ich vor, diese ebenfalls noch im Herbst abzulegen. Mein Zuger Projekt aber liess das aktuell nicht zu.

Es war das «technische Zeichnen» in der Schule, das mich auf meinen Weg brachte. Denn daraus entwickelte sich mein Interesse am Zeichnerberuf. Da es aber auf meinen Abschluss hin in meiner Heimatregion im Glarnerland keine Lehrstelle dafür gab, machte ich eine Erstlehre als Konditor/Confisseurin. Unmittelbar danach aber klappte es: Ich konnte in einem Glarner Ingenieurbüro Tiefbauzeichnerin lernen. Das Büro war ein Glücksfall. Es herrschte ein vertrauensvolles, motivierendes Klima. Und so konnte ich bereits früh umfangreiche Arbeiten übernehmen und auch bei Ausseneinsätzen dabei sein. Ich blieb nach dem Lehrabschluss noch ein paar Jahre im Betrieb, bevor ich schliesslich zur BG Ingenieure und Berater AG in die Niederlassung Zug/Baar wechselte. Hier arbeitete ich zunächst als Zeichnerin, übernahm aber rasch Bauleiter-Aufgaben in immer komplexeren Tiefbau-Projekten.

Ziele erreichen

Der Tiefbau spricht mich an, weil man sich darin meist mit Projekten beschäftigt, die der Allgemeinheit einen Nutzen bringen. Dass die ganze schöne Arbeit oftmals unter einem schwarzen Belag verschwindet, ist der kleine Frust dabei.

Bei den Projekten habe ich keine speziellen Vorlieben. Die Ausführung allerdings ist mir im Projektablauf am liebsten. Ich mag den Umgang mit den Leuten auf der Baustelle. Und ich mag es, mit ihnen zusammen die gesteckten Ziele zu erreichen. Im aktuellen Projekt sind beispielsweise die einzelnen Durchstiche schöne Etappenziele, an denen ich mich immer wieder freuen kann. Dass die Anforderungen dabei fachlich wie auch zeitlich sehr hoch sind, gehört dazu und muss einem bewusst sein, wenn man in komplexen Projekten Verantwortung übernehmen will.

Ich habe keine detaillierten Pläne für meine berufliche Zukunft. Ich merke aber, dass mich die Bereiche des Spezialtiefbaus und des Untertagbaus faszinieren und herausfordern. Und so werde ich versuchen, weiterhin in dieser Sparte tätig zu sein.

 

Beat Matter