Kranführerin im Nachteinsatz

Beat Matter

Andrea Huber (22) ist Kranführerin bei der Marti AG in Zürich. Die gelernte Maurerin war am diesjährigen Kranführercup auf dem Campus Sursee Teil des Siegerteams. Darauf ist sie stolz, bleibt aber bescheiden. („die baustellen“ Nr.11/2017)

Seit Anfang Jahr arbeite auf der Baustelle am Zürcher Stadtbahnhof Hardbrücke. Wegen der neuen Tramlinie bauen wir den Bahnhof so aus, dass die ÖV-Benutzer wettergeschützt von den S-Bahn-Perrons zu den Tram- und Bushaltestellen auf der Brücke gelangen können.

Mein aktueller Einsatzort hat ein paar Besonderheiten: Zunächst einmal arbeiten wir hier nachts. Dann ist der Bauplatz durchzogen von zahlreichen Bahn-, Bus- und Tramleitungen, die ich immer im Auge behalten muss. Und schliesslich ist mein Einsatzkorridor in der engen Situation extrem begrenzt, beispielsweise wegen des Prime Towers, der unmittelbar neben meinem Kran steht. Das alles hat mich zu Beginn des Einsatzes stark herausgefordert. Mittlerweile aber geht’s.

Das gilt auch für die Nachtarbeit. Während es tagsüber hier an der Hardbrücke enorm hektisch ist, kommt mir die nächtliche Ruhe im Kran eigentlich entgegen. Die Sicht allerdings ist nachts deutlich schlechter. Trotz Scheinwerfer ist es streng für die Augen, alles klar zu erkennen. Noch schwieriger aber finde ich den Rhythmuswechsel, den eine Nachtbaustelle erfordert. Ich habe mich zwar daran gewöhnt und es gelingt mir recht gut, tagsüber zu schlafen. Trotzdem gibt es Phasen, in denen einfach eine gewisse Grundmüdigkeit da ist.

Ich habe mich freiwillig für diese Nachtbaustelle gemeldet. Denn ich bin sicher, das ist eine wertvolle Erfahrung für meine Zukunft als Kranführerin.

Erfolg beim Wettkampf

Mitte September war ich zum zweiten Mal am Kranführercup des Campus Sursee dabei. Und erfolgreich: Gemeinsam mit meinen Kranführerkollegen Christian Liebi und Emrush Rahmani ist es uns gelungen, die Teamwertung für die Marti AG zu gewinnen. Das hat mich gefreut und ich bin stolz darauf, meinen Beitrag dazu geleistet zu haben. Das Gefühl und die Rückmeldungen waren schon toll, als der Pokal schliesslich im Betrieb eintraf.

Entscheidend für mich persönlich ist, dass ich mich im Vergleich zu meiner ersten Teilnahme deutlich steigern konnte. Überheblich werde ich deshalb aber nicht. Ich weiss, was ich kann, gleichzeitig weiss ich, dass es viel bessere Kranführer gibt, als ich es bin. Nicht zuletzt auch in meinem Betrieb. Von ihnen kann ich noch viel lernen.

Meine Kranführerprüfung habe ich vor knapp drei Jahren gemacht. Krane faszinieren mich schon länger. Ich finde es spannend, die grossen Maschinen zu kontrollieren und diese wichtige Funktion auf der Baustelle einzunehmen. Gelernt habe ich Maurerin. Als solche bin ich schleichend in Kontakt mit dem Kranführen gekommen. Zunächst arbeitete ich mit den kleineren Untendreher, mit meinem Wechsel zur Marti AG konnte ich schliesslich den Schritt zu den ganz Grossen machen.

Andere Perspektive

Die Verantwortung des Kranführers auf der Baustelle ist sehr gross, sowohl für den Bauablauf, wie auch für die Sicherheit der Kollegen unten auf dem Platz. Das bin ich mir jederzeit bewusst. Entsprechend gebe mir grosse Mühe, dass sich die Kollegen blind auf mich verlassen können. Differenzen, die trotzdem manchmal vorkommen, haben meist mit der ganz anderen Perspektive aufs Geschehen zu tun, die man vom Boden oder eben vom Kran aus hat.

Bis heute bereute ich es keine Sekunde, dass ich mich bei der Berufswahl für den Bau entschieden habe. Bis zuletzt schwankte ich damals zwischen Maurerin und dem Servicefach, und letztlich gab eine simple Plus-Minus-Liste den Ausschlag. Heute bin ich dankbar, denn der Bau hat mich mit seinen Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu dem gemacht, was ich bin.

 

 

Beat Matter