Ich, der landesverräterische Einkaufstourist

Ich habe vor, wieder Motorrad zu fahren. Deshalb kaufte ich mir einen neuen Helm. Der Helm ist wichtig. Also beschloss ich, mir einen guten Helm zu besorgen, in einem guten Schweizer Fachgeschäft, mit guter Beratung. Dafür war ich bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen, als nötig gewesen wäre, hätte ich den Helm bei irgendeinem internationalen Online-Händler bestellt. Weil das Fachgeschäft meiner Wahl derzeit einen Sommerschlussverkauf mit schönen Rabatten veranstaltet, witterte ich eine gute Gelegenheit, um doch noch ein bisschen Geld zu sparen. Sicherheitshalber hatte ich im Vorfeld bei dem Laden nachgefragt, ob mein favorisiertes Modell in meinem favorisierten Design noch vorrätig sei. Sie hatten noch Exemplare gewisser Grössen an Lager. Ich liess mir ein „M“ beiseitelegen. Und fuhr los.

Im Laden zeigte sich: Der Helm ist gut und sieht super aus. Allerdings war mir das „M“ zu gross. Die freundliche Beraterin brachte mir deshalb ein „S“ zur Anprobe. Die Grösse passte. Die Farbe aber gar nicht. „S“-en hatten sie nur mit wüsten Mustern.

Da der Helm im Schlussverkauf immerhin 30 Prozent günstiger war, als noch im Frühling und Sommer, hätte ich die Gelegenheit gerne genutzt. Deshalb fragte ich die Beraterin, ob sie eine Möglichkeit sehe, mein gewünschtes Design in Grösse „S“ zu organisieren. Sie nickte. Ich freute mich. Worauf sie relativierte: „Wenn ich dir den Helm nachbestelle, kann ich dir aber keinen Rabatt geben.“ Ich verzichtete und verliess enttäuscht den Laden.

Tags darauf bestellte ich den Helm in der gewünschten Grösse und in der gewünschten Farbe bei einem deutschen Online-Fachhändler. Der Preis lag nochmals gut 30 Prozent unter dem Ausverkaufspreis (!) des Schweizer Fachgeschäfts. Drei Tage nach Bestellungsaufgabe wurde mir der Helm heute an die Haustüre gebracht.

Gerade weil ich bereit war, dem stationären Schweizer Fachhandel den dicken Aufpreis für das (Import-)Produkt zu bezahlen, hält sich bei mir landesverräterischem Online-Einkaufstouristen nun das schlechte Gewissen arg in Grenzen. Dies umso mehr, als sich wieder und wieder zeigt, wie wenig motiviert viele im (stationären) Schweizer Handel noch immer sind, ihren Kunden gute und – wer weiss – auch mal kreative Lösungen anzubieten.

Beat Matter