Maurer mit Schwung

Beat Matter

Nick Alpiger (20), Maurer und Schwinger, konnte vor wenigen Wochen sein erstes Kranzfest gewinnen. Obwohl er dem Sport absolute Priorität gibt, arbeitete er tagein tagaus auf dem Bau. Und will, dass es so bleibt. („die baustellen“ Nr.06/2017)

Als ich Ende Mai nach sechs Gängen am Baselstädtischen kantonalen Schwingfest als Sieger im Ring stand, war das für mich ein grosser Moment. Ein weiteres Highlight, nachdem ich letztes Jahr am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer bereits einen Kranz gewinnen konnte. Ich investiere viel in den Sport, trainiere vier bis fünf Mal pro Woche, meist im Sägemehl, daneben ergänzendes Fitnesstraining. Mein Heimklub ist der Schwingklub Lenzburg und Umgebung. Ich besuche aber auch Kadertrainings des Aargauer Kantonalverbands sowie des Nordwestschweizerischen Schwingerverbands. Besser wird man, wenn man immer wieder mit den Guten schwingen kann, das ist einfach so.

Meine Resultate sind für mich Bestätigung dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Wohin dieser Weg führt, ist für mich offen. Ich bin nicht der Typ, der grosse Ziele und Ergebnisse ankündigt: Es gibt Tage, an denen passt alles zusammen und es läuft fast von alleine, bis zum Sieg. Und dann gibt es Tage, an denen man sich eigentlich gut fühlt – und trotzdem funktioniert nichts. Das lässt sich nicht voraussehen.

Ich brauche kein Ziel, um mich zu motivieren. Es ist in mir drin: Ich will hart trainieren. Ich will besser werden, Schritt für Schritt.

Den Bau im Blut

Neben dem Sport arbeite ich zu 100 Prozent. Mein Vater war Polier. Der Bau liegt bei uns also in der Familie. Insofern war es keine Überraschung, als ich nach der Schule eine Maurerlehre begann. Am Beruf mag ich die Vielseitigkeit, dass man draussen ist und an ganz unterschiedlichen Orten ebenso unterschiedliche Projekte realisieren kann. 2015 schloss ich meine Lehre bei einer lokalen Bauunternehmung ab, danach wechselte ich zu einem Familienbetrieb, bei dem ich viel im Bereich von Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten dazu lernen konnte. Renovationen am Schloss Lenzburg oder am Schloss Rued zählten zu unseren Projekten.

Nach der Winter-RS schaute ich mich diesen Mai nach neuen beruflichen Möglichkeiten um. Dabei ergab sich eine ideale Zwischenlösung: Derzeit und noch bis im Spätsommer arbeite ich befristet angestellt bei einer Wasser und Gartenbauunternehmung. Hier treffe ich auf Bereiche, die für mich als Maurer neu und interessant sind. Anfang September, direkt nach dem Unspunnenfest, werde ich jedoch wieder eine Stelle als Maurer bei einer lokalen Unternehmung antreten.

Eine Baukarriere kann ich mir zwar vorstellen, aber noch nicht in den nächsten drei, vier Jahren. Das Schwingen steht jetzt für mich an erster Stelle. Daneben konzentriere ich mich darauf, als Maurer gute Arbeit zu leisten. Das berufliche Pensum für den Sport zu reduzieren, kommt für m ich derzeit nicht infrage. Denn Schwingen ist ein Amateursport. Es zeichnet den Sport aus, dass er nicht professionalisiert ist und jeder Schwinger nach einem Fest wieder seiner Arbeit nachgeht.

Trainieren und arbeiten

Ich bin der jüngste von drei Brüdern. Und weil die beiden Älteren auch schwangen, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Jüngste auch in die Hosen und ins Sägemehl stieg. Bei mir war es noch vor dem 7. Geburtstag soweit. In den Jugendjahren schliesslich intensivierte ich das Training und wurde dabei hervorragend von meiner Familie, dem Klub und dem Verband unterstützt. Die Freude am Sport ist mir nie abhanden gekommen.

Sicher, um auf diesem Niveau mitschwingen zu können, muss ich in verschiedenen Bereichen auf einiges verzichten. Auf Zeit für Familie und Freunde. Auf freie Zeit überhaupt. Ich trainiere und arbeite. Damit ist die Woche praktisch gefüllt. Momentan stimmt das so für mich.

Beat Matter