«Viele Schülerinnen haben falsche Vorstellungen»

Beat Matter

Vanessa Schröder (22) ist Maschinenbau-Studentin und Präsidentin der Kommission «Ladies In Mechanical and Electrical Studies» LIMES – diese ist in zwei ETH-Departementen aktiv, wirkt als Vorbild aber darüber hinaus. („die baustellen“ Nr. 11/2015)

Weshalb es LIMES braucht? Ganz einfach: Weil der Frauenanteil in unseren Bachelor- Studiengängen bei nur rund 10 Prozent liegt. Im ETH-Departement «Maschinenbau und Verfahrenstechnik» knapp darunter, im Departement «Informationstechnologie und Elektrotechnik» knapp darüber. LIMES ist die Frauenkommission des Fachvereins für Studierende in diesen beiden Departementen. Bei einem Frauenanteil von nur rund 25 Prozent in den technischen Studienrichtungen an Schweizer Hochschulen ist das Thema selbstredend darüber hinaus relevant.

Der Beweggrund, um LIMES zu gründen, war es, die wenigen Frauen, die in den beiden Departementen studieren, zusammenzubringen. Nicht nur jene aus den gleichen Studienjahrgängen, in denen man sich sowieso regelmässig trifft, sondern übergreifend. 2012 wurde LIMES gegründet. Ich selbst engagiere mich seit 2013 bei LIMES.

Firmen wollen Diversität

LIMES war das erste Frauennetzwerk in den Ingenieurswissenschaften an der ETH Zürich. Mittlerweile gibt es weitere. Wir verfolgen mit unseren Aktivitäten drei Ziele: Die Studentinnen der beiden Departemente zu vernetzen. Gezielt Kantonsschülerinnen über unsere Studiengänge zu informieren und vielleicht sogar für ein technisches Studium zu begeistern. Und schliesslich, Kontakte zu Ingenieurunternehmen in der Praxis herzustellen und zu pflegen, um uns Studentinnen bessere Perspektiven für den Berufseinstieg zu verschaffen.

Um die Ziele zu verfolgen, organisieren wir regelmässig Anlässe oder Exkursionen zu Unternehmen in der Praxis. Unser wichtigster Event in jedem Semester ist der Frauenabend. Da kommen jeweils rund 100 Frauen zusammen. Ein Industriepartner präsentiert sich, anschliessend tauschen wir uns bei einem Znacht aus. Den Kontakt zu Firmen herzustellen, fällt relativ leicht. Für viele Unternehmen ist die Diversität ein aktuelles Thema und sie sind oft froh, wenn sich Möglichkeiten für konkrete Aktivitäten ergeben. Einmal im Jahr führen wir den Schülerinnentag durch. Dafür schreiben wir mit Unterstützung der ETH-Rektorin alle Deutschschweizer Kantonsschulen an. Dieses Jahr werden rund 80 Schülerinnen teilnehmen. Wir informieren sie über unsere Studiengänge und zeigen ihnen unsere Labs. Obwohl sich die Schülerinnen tendenziell bereits für ein technisches Studium interessieren, haben sie oft falsche Vorstellungen davon, was in den einzelnen Studiengängen läuft. Der Maschinenbau etwa wird stark mit dem Automobilbau verknüpft. Diesem männergeprägten Bild stellen wir dann die Biomedizinaltechnik gegenüber, die ebenso Bestandteil des Studiums ist.

Alte Bilder

Ich habe soeben das Master-Studium in Maschinenbau begonnen. Mich interessieren übergeordnete Systeme in den Themenkomplexen Energie und Transport. Konkrete Pläne für die Zukunft habe ich noch nicht. Kurz nachdem ich in der Primarschule die Berufswünsche Bäuerin und Schriftstellerin verworfen hatte, nahm ich mir vor, Wissenschaftlerin zu werden. Eine Schülervorlesung, die wir im Rahmen eines Jubiläums an der ETH Zürich besuchten, beeindruckte mich sehr. Von da an wollte ich an diese Hochschule.

In meiner Familie bekam ich nie vermittelt, dass Frauen für gewisse Themen oder Berufe nicht geeignet wären. Immer wieder gab mir mein Vater Zeitungsartikel von starken Frauen zu lesen. Darunter waren auch Frauen in technischen Berufen. Aber nicht nur. Nach wie vor werden aber die alten Rollenbilder – etwa, dass Mathe oder Technik nichts für Mädchen sei – rege weitervermittelt. Das ärgert mich und ich kann es oft kaum glauben. Aber es ist so.

Beat Matter