«Technologie kann Prozesse öffnen»

Beat Matter

Tomas Polach (30), Architekt und Programmierer, ist Mitgründer von Archilogic. Der ETH-Spin-off verwandelt 2D-Grundrisspläne in dreidimensionale virtuelle Erlebniswelten. (die baustellen Nr. 06/2015)

Wenn man Architektur, 3D-Technologie und Programmier-Wissen zusammenführt, wird es richtig lustig.

Wir entwickeln bei Archilogic eine Plattform für Kommunikation in Architektur und Interieur- Design. Unser Anliegen ist es, dass Profis aus Planung, Bau und Immobilienbranche konkreter mit dem Rest der Welt über Projekte reden können. Dafür setzen wir auf dreidimensionale Bilder. Unsere Bilder sind interaktiv, sie können also vom Betrachter verändert und mitgestaltet werden. Die Idee dahinter: Wer im 3D-Modell eines Raums eigenhändig Möbel platzieren, Trennwände verschieben oder Farben anpassen kann, gewinnt ein besseres Verständnis für den Raum. Und kann deshalb besser mit den Planern reden.

archilogicIm März 2014 habe ich das Unternehmen mit Kaspar Helfrich, Pascal Babey und Frederic Schwarz als ETH-Spin-off gegründet. Anstoss dafür gab ein ETH-Projekt über Planung und Informationstechnologie. Wir sahen darin wirtschaftliches Potenzial und schafften es mit unserer Idee ins ETH-Spin-off-Programm. Dann legten wir los.

Spass an visueller Gestaltung

Programmieren war immer meine Leidenschaft. Ich code, seit ich neun Jahre alt bin. Zunächst baute ich Spiele, später Websites. Mich reizte es, visuelle Dinge zu erschaffen, die Spass machten in der Nutzung. Ein Schulkollege, mein heutiger Gründerkollege Kaspar, überzeugte mich schliesslich davon, Architektur zu studieren. Während der Studienzeit kam die 3D-Technologie immer stärker auf. Ich spielte damit herum und merkte, dass sich Technologie mit Architektur und Planung verbinden liesse. Mir war aber klar, dass ich das alleine nie würde umsetzen können. Aber das musste ich auch nicht.

Internationales Interesse

Mit einem Team von mittlerweile 15 Personen bieten wir heute Technologie und Dienstleistung an. Technologieseitig ist das unsere 3DEngine. Sie ermöglicht, die 3D-Modelle direkt im Browser zu betrachten und zu verändern. Die Dienstleistung besteht darin, dass wir 2DGrundrisspläne teilautomatisiert in 3D-Modelle umwandeln. Interessierte können 2DPläne direkt auf unserer Website hochladen. Innert 24 Stunden versenden wir den Link zum fertigen 3D-Modell. Das ist unser Basisangebot. Darauf aufbauend können wir – je nach Kundenwunsch – im Detaillierungsgrad noch sehr viel weiter gehen. Die Erfahrungen daraus nutzen wir, um das Basisangebot laufend zu verbessern.

Aktuell wird unsere Technologie vor allem in der Vermarktung eingesetzt. Vermarkter präsentieren damit Liegenschaften als 3D-Modelle, bevor auch nur ein Grundstein gelegt ist.

archilogic2Unser Leitgedanke ist aber nicht nur die Vermarktung, sondern das partizipative Planen. Unsere Technologie kann Planungsprozesse öffnen, indem beispielsweise der Architekt in einem 3D-Modell Grundlagen und Spielregeln vorgibt und schliesslich seine Kundschaft oder weitere Anspruchsgruppen direkt eingreifen lässt. Das setzt bei den Planern eine bestimmte Haltung voraus. Partizipation wird leicht mit «driischnure» verwechselt. Wir merkten rasch, dass sich die Fachleute noch an diese Interaktivität und die 3D-Technologie insgesamt gewöhnen müssen. Deshalb gehen wir den Weg über die Vermarktung. Unsere Modelle sollen bekannter und schliesslich üblicher werden.

Wir sind gut unterwegs. Wir konnten detaillierte Modelle für mehrere Schweizer Projekte realisieren. Und täglich kommen internationale Anfragen von Vermarktungsbüros aus Japan, den USA oder Australien. Noch sind es die Early Adopter, die bei uns anklopfen. Ihnen müssen wir beweisen, dass die Technologie funktioniert und laufend besser wird. Das ist der Reiz an der Sache.

Beat Matter