Das grosse Gras-Geschäft

Kantonspolizei St. Gallen

Der Handel mit Cannabis ist in der Schweiz ein rentables Geschäft. Der Markt wird immer noch von Einheimischen dominiert, doch immer mehr Gruppen aus dem Balkan steigen in das Business ein. (Blick, 18. Februar 2015)

Schiesserei am frühen Montagmorgen in einer Industriehalle in Altstätten SG. Zwei Männer werden schwer verletzt, die Polizei verhaftet zwei Schweizer im Alter von 45 und 58 Jahren. Bei der Aktion entdecken die Beamten eine Hanfplantage mit mehreren tausend Pflanzen.

Für die Betreiber der Anlage hat sich das Geschäft mit dem illegalen Hanfanbau nicht gelohnt. Ihre Anlage ist aufgeflogen, Tausende Pflanzen und die ganzen Investitionen sind futsch.

Dennoch: Der Anbau von Cannabis mit hohem THC-Gehalt ist ein hoch rentables Geschäft. «Zwischen 50 000 und 100 000 Personen in der Schweiz konsumieren täglich Cannabis», sagt Frank Zobel, Drogenmarktexperte bei der Stiftung Sucht Schweiz. Rund eine halbe Million kifft zumindest gelegentlich. «Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der Schweiz», weiss Christian Schneider, Analytiker bei der Bundeskriminalpolizei.

Jeder Joint ist ein Geschäft. Eugen Rentsch, Leiter der Dienststelle für Betäubungsmitteldelikte der Kantonspolizei St. Gallen, sagt: «Für ein Gramm Marihuana zahlen Konsumenten auf dem Schweizer Markt acht bis zehn Franken. Cannabis ist ein Milliardengeschäft.»

Davon wollen auch Ausländer profitieren: «Häufig steigen Gruppen aus dem Balkan ein, die bereits auf dem Drogenmarkt tätig sind und jetzt ins Grasgeschäft diversifizieren», sagt Rentsch. Produziert wird heute fast nur noch in Indoor-Plantagen. «Die Qualität dieser Indoor-Produkte ist sehr gut, der THC-Gehalt hoch», sagt Rentsch. Dominiert werde das Schweizer Geschäft aber noch immer von Einheimischen, sagt Bundespolizist Schneider.

Der Eintritt in den Markt ist simpel. Spezialisten für den Bau von professionellen Hanfanlagen bieten ihre Dienste an. Als Standorte bevorzugen sie ländliche Gebiete. Die Produzenten lassen dort von den Plantagenbauern leerstehende Ställe oder Industrieanlagen umbauen. «Dafür investieren sie ein paar 10 000 Franken pro Anlage», sagt Rentsch. Bei Umsätzen im Millionenbereich winkt ihnen eine Traumrendite.

Dazu trägt jedes Pflänzchen bei. Jedes einzelne blüht drei-bis viermal pro Jahr. Pro Staude ernten die Produzenten Marihuana im Wert von bis zu 250 Franken. Eine Pflanze wirft so im Idealfall Stoff für 1000 Franken pro Jahr ab. Rentsch hat schon Plantagen mit bis zu 14 000 Stöcken hopsgehen lassen. Bei voller Produktion wirft eine solche einen Jahresumsatz von 14 Millionen Franken ab.

Allerdings steigt das Risiko. Die Polizei geht verstärkt gegen die Hanf-Mafia vor. «Im Kanton St. Gallen hat die Polizei im letzten Jahr 70 Indoor-Plantagen ausgehoben. 2013 waren es nur 17», sagt Rentsch. Letzte Woche beschlagnahmten Zuger Beamte 700 Hanfpflanzen in Baar. Im Januar entdeckte die Zürcher Kantonspolizei in Bülach eine Anlage mit 10 000 Pflanzen.

Wie viele Plantagen es in der Schweiz gibt, weiss niemand. Weil das Geschäft illegal ist, fehlten verlässliche Zahlen, sagt Zobel von Sucht Schweiz. Anders ist das beispielsweise in Colorado in den USA, wo seit dem letzten Jahr ein regulierter Marihuana-Markt besteht. Nach wenigen Monaten hat sich dort ein neuer Industriezweig entwickelt, der bereits über 10 000 Personen legal beschäftigt. Der legale Cannabis-Umsatz in den USA beträgt rund 2,5 Milliarden Franken. Im Vergleich zum illegalen Markt ist das ein Klacks.

Beat Matter