Berner Chefs für swissinfo.ch

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Für die Besetzung eines Führungspostens der SRG-Online-Plattform ist der Wohnort des Bewerbers ein entscheidendes Kriterium.

Ich schaue mir regelmässig die Stellenanzeigen an. Sie liefern manchmal interessante Branchen-News. Manchmal ist eine Stelle dabei, die mich persönlich anspricht. Das ist aber (leider) selten, weil die guten Journalisten-Jobs entweder nicht oder nur pro forma ausgeschrieben werden.

Gestern habe ich eine Ausschreibung von swissinfo.ch entdeckt. Die „multimediale Nachrichten- und Informationsplattform (der SRG) für ein internationales Publikum und für im  Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer“ sucht einen neuen stellvertretenden Chefredaktor oder eine neue stellvertretende Chefredaktorin.

Der Job ist sicher interessant, ich fühlte mich aber nicht angesprochen. Trotzdem blieb ich bei einem Detail der Ausschreibung hängen : Der Bewerber oder der Bewerberin muss den Wohnort in „Bern und Umgebung (Umkreis von 40 km) haben.

Für den Job kommt also niemand infrage, der den Wohnsitz in Basel, Zürich, Winterthur, St.Gallen, Luzern oder in Lausanne hat. Nicht einmal ein Oltener erfüllt das Kriterium. Jemand aus Biel, Solothurn oder Freiburg knapp.

Das irritierte mich. Und mit mir ein paar weitere Menschen. Deshalb fragte ich bei Swissinfo nach dem Grund für die restriktive geografische Vorgabe.

„Die Nähe des Wohnsitzes zum Arbeitsort der/des Stv. Chefredaktors/Chefredaktorin und des Chefredaktors ist rein betrieblich bedingt“, schreibt Patrizia Provinzano, Leiterin Human Resources bei Swissinfo. Die schnelle Erreichbarkeit hänge mit den Aufgaben und Verantwortungen der beiden Funktionen zusammen.

Dass ein Team – zumindest ein Führungsteam –  das eine Plattform im Internet mit internationaler Ausrichtung betreut, dermassen ortsgebunden arbeiten muss, mag irritieren.
Zudem steckt ein praktischer Fehler in der Rayon-Vorgabe: Der Bewerber aus Lüscherz am Bielersee – knapp 40 Kilometer ausserhalb – braucht für den Weg nach Bern (HB) mindestens 56 Minuten. Genau gleich lange bräuchte ein Bewerber mit dem Zug von Zürich nach Bern. Dessen Dossier fällt allerdings schon in der Vorselektion raus.

Beat Matter