Der Qualitätsmanager

zvg

Edwin Hübscher, 68, Bau-Qualitätsmanager und Schwingungstechniker, ist über verschlungene Wege zum Bauexperten geworden. Die Bauqualität sei schlechter geworden, sagt er. Und kritisiert das gerne ganz direkt. (die baustellen Nr. 04/2014)

Ich muss nicht mehr arbeiten. Ich darf.
Ich habe zwei Firmen gegründet. Zuerst die HBT-ISOL AG. Sie beschäftigt sich mit Ruheschutz. Nicht mit dem Schutz vor Luftschall, sondern vor Körperschall. Dann die BAUQU GmbH. Sie fokussiert auf die Bauqualitätskontrolle in der Ausführung. Ich hatte nie vor, Unternehmer zu werden. Es kam einfach eines zum anderen.

Technik war immer mein Steckenpferd. Vor einem halben Jahrhundert machte ich eine Lehre als Maschinenschlosser. Noch vor Lehrabschluss konnte ich im gleichen Betrieb eine Zusatzlehre als Elektromechaniker anhängen. Dann besuchte ich das Abendtechnikum. Ich fand durch Bekanntschaften einen Einstieg in die Stahlbranche, war international an verschiedenen Standorten im metallurgischen Bereich tätig. Schliesslich kam ich mit dieser Erfahrung in Entwicklungsteams für die Automobilindustrie. In Belgien entwickelte ich einen Aufrollmechanismus für Sicherheitsgurten mit. In Friedrichshafen arbeitete ich in einem interdisziplinären Team an Automatikgetrieben der ZF. Danach kehrte ich in die Schweiz zurück, nach Lyss, ebenfalls zu einem Zulieferer für die Autoindustrie. Da liess ich mein erstes Einfamilienhaus bauen.

Normale Risse

Als das Haus fertig war, entdeckte ich in den Betonwänden mehrere Risse. Architekt und Ingenieur beteuerten, das sei normal. Ich hatte Mühe, das zu glauben.

Ich wollte verstehen, weshalb in Gebäuden Risse entstehen. Und ich wollte wissen, welche Lösungen die Branche dafür bereithält. Doch ich fand keine. Deshalb begann ich mit meiner Erfahrung und meinen Materialkenntnissen aus dem Automobilbereich, eigene Lösungen mit für den Bau ganz neuen Materialien zu fertigen. Das Startkapital für die HBT-ISOL AG stammte aus dem Verkauf des Hauses mit den Rissen. Die erste Produktionsstätte war die Garage einer Mietwohnung. Heute hat das Unternehmen mit Sitz in Bremgarten AG 50 Mitarbeitende. Ich gründete das Unternehmen 1984. Es war genau der richtige Moment. Zu dieser Zeit wurde der Lärmschutz im Wohnbau relevant – und ist seither immer relevanter geworden. 2009 habe ich die Firma verkauft, bin aber nach wie vor für die technische Weiterentwicklung der Produkte mitverantwortlich.

Qualität hat nachgelassen

Als ich das Unternehmen verkaufte, war nicht klar, dass ich dort weiterarbeiten würde. Weil ich keine Lust auf ein Rentnerleben hatte, gründete ich die BAUQU GmbH. Die Idee war und ist es, Qualitätssicherung in der Ausführung anzubieten. Nach tausenden von Baustellenbesuchen hatte sich viel Erfahrung angesammelt. Heute sind wir zu viert. Wir haben zwei Kundengruppen. Private Bauherren: Für sie machen wir während der Ausführung die Bauherrenvertretung für den Bereich Sicherung der Ausführungsqualität. Und Bauleiterbüros: Sie engagieren uns, damit wir ihre jungen Bauleiter begleiten und ihnen unsere Erfahrung weitergeben.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Bauqualität verschlechtert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Personal hat sich verändert, die Volumen sind explodiert, das Geld fliesst nicht unbedingt dorthin, wo gebaut wird.

Will man sich als Bauherr unangenehme Folgen ersparen, hilft nur die strenge Kontrolle. Unser Augenmerk gilt dem, was nach Vollendung nicht mehr sichtbar ist. Da liegt oft die Schadenssumme begraben. Als Bauherrenvertreter bin ich zwar der strenge Kontrolleur, mein Ziel ist es aber, mit allen Beteiligten gut zusammenzuarbeiten. Ich bin ein direkter Typ. Wenn mir auf meinen Rundgängen etwas auffällt, bespreche ich das gerne direkt mit dem Handwerker. Manchmal höre ich deswegen den Vorwurf, ich hielte mich nicht an die Hierarchie. Doch ich mag nicht für jede Kleinigkeit den «Amtsweg » gehen. Dafür bin ich zu alt

Beat Matter