Twitter: Mein Return on Investment

zvg

Am vergangenen Wochenende hat Politikberater Mark Balsiger auf seinem Blog einen Text veröffentlicht, der sich mit der Aargauer Regierungsrätin Hochuli befasst, bzw. mit dem Umstand, dass die Regierungsrätin neuerdings auf ihrem privaten Bauernhof eine dreiköpfige Asylbewerberfamilie beherbergt.

Balsiger machte auf Twitter auf den Blogpost aufmerksam. Ebenfalls via Twitter stellte ich Balsiger nach der Lektüre eine Frage dazu. Er beantwortete sie nicht, sondern lud mich ein, die Frage in Form eines Kommentars auf seinem Blog zu diskutieren. Ich lehnte ab: „Die Twitterei frisst genug Arbeitszeit. Fange ich noch an, auf all den Blogs zu kommentieren, muss ich stempeln gehen“. Darauf Balsiger: „Rückfrage: Für Sie (als freier Journalist) ist der ROI auf Twitter also grösser als auf Blogs?“

Mein ROI auf Twitter? Das habe ich mir noch gar nicht so genau überlegt. Zeit für Kassensturz:

Der ROI steht für den Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Am Anfang steht also die Investition. Und da ist schon das erste Problem: Was habe ich auf Twitter investiert, seit ich vor knapp zweieinhalb Jahren auf der Plattform aktiv wurde? Stunden und Aberstunden. Und ein paar Kilogramm Nerven. Genauer will ich es selbst nicht wissen.

Also zum Gewinn:

Wenn ich über meinen Gewinn auf Twitter nachdenke, denke ich automatisch an beruflichen Gewinn. Ich bin freischaffender Journalist und auf Twitter immer als freischaffender Journalist aktiv. Selbst wenn ich mitten in den Ferien einen Tweet absende, ist es der Tweet eines freischaffenden Journalisten. Weshalb? Weil reale und potenzielle Auftraggeber mitlesen. Den beruflichen Gewinn, den ich aus meiner Twitterei ziehe, würde ich drei Stichwörtern unterordnen: Information, Bekanntschaft/Bekanntheit, Anfragen/Aufträge.

Information:

Meine Twitter-Timeline ist meine Agentur. Sie stillt meinen News-Hunger und liefert mir allgemeine Empfehlungen für spannende Hintergründe, lesenswerte Analysen, anregende Kommentare und – auch das ganz wichtig – den neusten Branchenklatsch. Immer wieder sind aber auch Infos und Inputs dabei, die ich nebst allgemeinem Interesse konkret für meine Arbeit verwenden kann: Ein spannender Gedanke, der zu einer Arbeit passt, an der ich gerade schreibe. Eine neue Entwicklung in einem Themengebiet, das ich regelmässig bearbeite. Eine Person oder ein Themengebiet, über welche/welches ich gerne schreiben würde und daraus Themenvorschläge für Auftraggeber formuliere. Etc. Durch Twitter finde ich häufig gute Sachen, die ich nicht gesucht habe. Ein grosser Gewinn.

Bekanntschaft/Bekanntheit:

Wie ich in einem früheren Text schon geschrieben habe, erlebe ich Twitter (manchmal) als eine Art Grossraumbüro. Andere nennen Twitter den Ersatz für Journalisten-Stammtische, die früher offenbar häufiger waren. Gemeint ist dasselbe: Bekanntschaften. Das Gefühl, Bestandteil einer Gruppe zu sein und sich darin auszutauschen. Als freischaffender Journalist ohne Arbeitsplatz auf einer Grossredaktion schätze ich dieses Gefühl von Zugehörigkeit sehr. Ob ich mir (oder Twitter mir) dieses Gefühl nur vorgaukelt, muss ich bei Gelegenheit für mich noch aussortieren.

Dasselbe gilt für den Aspekt der Bekanntheit. Ich mache mir da keine Illusionen. Klar ist jedoch: Dank Twitter „kenne“ ich und „kennen“ mich heute mehr Menschen, als vor meiner Twitter-Präsenz. Unter diesen Menschen hat es solche, die mich möglicherweise morgen anrufen, um mir einen Auftrag zu geben. Und solche, die möglicherweise gerne Texte von mir lesen. In beiden Fällen gilt: Klarer Gewinn.

Anfragen/Aufträge:

Und jetzt die harte Währung: In den vergangenen zwei Jahren habe ich ein konkretes Job-Angebot und die Anfrage eines neuen Auftraggebers, beides entstand im Zusammenhang mit meiner Twitter-Präsenz. Zur Festanstellung kam es nicht. Für den neuen Auftraggeber konnte ich seither mehrere Texte schreiben. Der Gewinn: Echtes Geld.

Ob dieser teilweise etwas vage beschriebene Gewinn die Investition lohnt? Ich meine ja. Ob der Ertrag auf Twitter grösser ist als auf Blogs – um auf die Frage von Mark Balsiger zurück zu kommen – kann ich nicht sagen. In den Bereich habe ich bislang nicht nennenswert investiert.

Beat Matter