Der Skulpturensäger

Beat Matter

Albert Winzeler, 44, Leiter Technischer Dienst und Kettensägenkünstler, hat ein Hobby gefunden, mit dem er sich und andere glücklich macht. Wichtig für den Allrounder sind Freiheit und Selbstbestimmung. (die baustellen Nr. 11/2012)

Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof. Bauer zu werden, wäre für mich allerdings nie in Frage gekommen. Denn als Bauer ist man rund um die Uhr an der Arbeit. Ich habe eine Schreinerlehre gemacht, bin ins Militär und habe dann noch drei, vier Jahre auf dem Beruf gearbeitet. Ich war als Montageschreiner tätig. Bald einmal sagte mir das nicht mehr zu. Immerzu hiess es, die Arbeit rentiere nicht, man müsse dieses schneller und jenes effizienter erledigen. Das löschte mir ab.

Schliesslich tat sich ein neues Türchen auf. Im nahen Wildpark suchte man einen Tierpfleger. Ich bewarb mich, bekam die Stelle und liess mich nebenberuflich zum Tierpfleger ausbilden. Das sagte mir sehr zu, mochte ich doch den Umgang mit Tieren schon von klein an. Gleichzeitig konnte ich auch meine Freude an handwerklicher Arbeit ausleben und weiterentwickeln. Ich reparierte dieses und jenes, lernte Zäune zu bauen oder Beläge einzubringen. Auch erfand ich zum Beispiel eine Futterstelle, die über einen Zeitschalter in nicht regelmässigen Zeitabständen Futter für die Tiere freigab, so dass sie nicht in eine langweilige Fütterungs- Routine verfielen. Ich bin ein Allrounder. Es war insofern der perfekte Job für mich. Ich machte ihn 19 Jahre lang. Als eine neue Führung den Park übernahm und sich die Vorstellungen nicht mehr mit meinen deckten, wurde es Zeit für einen nächsten Wechsel. Im Rückblick war es wohl richtig so. Die Tierpflegerei ist ein Knochenjob. Und man wird ja auch nicht jünger.

Das Gärtchen im Pflegeheim

Wieder fand ich einen neuen Job nach Mass: Ich konnte die Leitung des technischen Dienstes in einem Alters- und Pflegeheim übernehmen. Wieder war der Allrounder gefragt. Wieder war es eine Arbeit, die mir viel Handlungsspielraum lässt. Die Aufgaben sind vielfältig und interessant. Dazu kommen die Leute, die einem mit ihrer Freude und ihrer Dankbarkeit viel zurückgeben. Das hat früher bei den Tieren vielleicht etwas gefehlt. Mittlerweile sind mir zwei Mitarbeitende und ein Lehrling unterstellt. Ich fühle mich in «meinem» kleinen Gärtchen sehr wohl. Man ist abends nicht mehr körperlich erledigt. Die Arbeit ist organisatorischer, kopflastiger. Aber das aufs Alter hin ja nicht das Schlimmste.

Leidenschaft in der Freizeit

Vor rund zehn Jahren habe ich mit dem Sägen von Holzskulpturen begonnen. Ursprünglich drechselte ich kleinere Deckosachen wie zum Beispiel Holz-Pilze, aber auch Kinderspielsachen. Dann bekam ich Lust, grössere Dinge zu machen, was aber die Drehbank nicht zuliess. Also nahm ich die Motorsäge zur Hand. Sehr schnell stiess ich damit auf Anklang. Es kamen Leute, die mir die Objekte abkaufen wollten. Heute ist es so, dass ich eigentlich nur noch auf Bestellung arbeite. Ich mache zahlreiche Tiere, Menschengestalten oder auch Objekte. Ein Lieblingsmotiv habe ich nicht.

Zunächst hatte ich das Gefühl, ich sei der Einzige, der so etwas macht. Als ich mich jedoch eingehender mit dem Hobby zu befassen begann, tat sich mir eine sehr grosse Szene von Kettensägenkünstlern auf. In der Zwischenzeit war ich mehrmals an internationalen Treffen. Die Atmosphäre hat mir jeweils sehr zugesagt.

Mittlerweile bekomme ich Anfragen aus Nachbargemeinden und noch darüber hinaus. Im Frühling kommt eher mehr. Im Sommer eher weniger. Ich mag es so. Ein grosses Geschäft möchte ich daraus nicht machen. Es soll ein Hobby bleiben. Und die Freude der Menschen ist mir wichtiger als ein hoher Erlös.

Beat Matter