«Manchmal ermöglicht Regulierung den Markt»

Beat Matter

Die Adresse ist repräsentativ. Das Gebäude ist es nicht. Der Sitz der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich an der Weinbergstrasse ist ein in die Jahre gekommener glanzloser Büroquader. Die Glasbausteine im Treppenhaus erzeugen seltsame Lichtverhältnisse. Auf der Toilette weist ein Zettel darauf hin, dass man nicht allzu viel WC-Papier hinunter spülen soll: „Grosse Verstopfungsgefahr!!“

In einem dem Gebäude angemessenen Büro im zweiten Stock empfängt uns Jan-Egbert Sturm, Leiter der Forschungsstelle und damit einer der bekannteren Konjunkturforscher des Landes.

Sturm ist ein grosser Mann. Schmal. Mit guter Haltung. Einem sehr freundlichen Gesicht. Und einem gewinnenden Wesen. Mit zu seinem Charme gehört der Akzent. Sturm ist gebürtiger Niederländer. Er hat zwei Kinder im Primarschulalter. Am ehesten von der Arbeit ablenken lasse er sich durch den Sport, sagt er. Joggen und Tischtennis.

Im Gespräch ist Sturm witzig, häufig schliesst er seine Antworten mit einem Lachen ab. Trotzdem vermittelt er den Eindruck von Seriosität. Komplexe Zusammenhänge erklärt er in einfachen Sätzen, die er scheinbar aus dem Ärmel schüttelt, ohne vorab nachdenken zu müssen.

Gegen Ende des Interviews kommen wir auf Themen wie den Atomausstieg und „Green Economy“ zu sprechen. Ein paar Politstimmen im Hinterkopf, frage ich Sturm, was er als liberaler Ökonom von solchen öko-politischen Eingriffen in die freien Märkte halte.

Sturm schmunzelt. Es sei nicht richtig, jede Massnahme in diesem Zusammenhang als Eingriff in einen freien Markt zu bezeichnen. Als Beispiel nennt er eine Schadstoffwolke, die „kostenlos“ an die Umwelt und somit zulasten der Allgemeinheit abgegeben werden kann. „Wenn nun eine Massnahme dazu führt, dass die bislang externalisierten Kosten dieser Schadstoffwolke internalisiert werden, also der Verursacher bzw. der Bezüger einer Dienstleistung dafür aufkommen muss, könne man das wohl eine Regulation nennen – allerdings eine, die einen freien, echten Markt erst ermögliche.

Man höre bisweilen anderes von liberalen Politikern, erwidere ich. Wieder schmunzelt Sturm. Sein Gebiet sei die Wissenschaft, nicht die Politik.

Beat Matter