Neue Dimension

Beat Matter

Philipp Binkert (31) und Christiane Fimpel (31) betreiben mit der 3D-Model.ch GmbH den Copy Shop der Zukunft. Ihre Drucker produzieren dreidimensionale Objekte. (die baustellen Nr. 04/2012)

Philipp Binkert: Ich komme von der Architektur her, habe sieben Jahre für Libeskind gearbeitet. Ich habe selbst entworfen und natürlich auch – stundenlang – Modelle gebaut. Dabei habe ich zu überlegen begonnen, wie man den Bau der Modelle vereinfachen konnte. So bin ich in Kontakt mit dem dreidimensionalen Drucken gekommen. Die Technologie war damals allerdings noch nicht so weit. Ich dachte mir, es konnte noch weitere Personen geben, die von dieser Technologie profitieren möchten, allerdings nicht wissen, wohin sie sich wenden können. Ich kaufte meine ersten 3D-Drucker und begann, das Geschäft aufzubauen.

Christiane Fimpel: Zum Zeitpunkt, als Phil damit angefangen hat, war die 3D-Druckerei für viele schlicht unvorstellbar. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, wie ein echtes, dreidimensionales Objekt in dieser Art entstehen kann. Nachdem mir Phil alles erklärt hat, schlug ich ihm vor, ein bisschen Akquise für ihn zu machen. Es war sehr schwierig, weil die meisten Leute, die ich antelefonierte, noch nie etwas von 3D-Druckern gehört hatten. Phil war halt früh dran. Der Markt kam erst hinterher.

Philipp Binkert: Ich habe zu Beginn alles auf eine Karte gesetzt. Ich habe meinen Job als Architekt aufgegeben und mich voll dem Aufbau der Firma gewidmet. Zugegeben, es war eine harte Zeit. Als die ersten Schritte gemacht waren, arbeitete ich teilweise wieder als Architekt. Ich musste schliesslich meinen Unterhalt finanzieren.

Christiane Fimpel: Weil es noch keinen Markt gab, mussten wir den Markt selbst erzeugen. Phil bot auch Arbeiten mit dem Laser-Cutter an. Das kannten viele Leute aus der gestalterischen Szene. Sie kamen also, um entsprechende Auftrage abwickeln zu lassen. Einmal bei uns, sahen sie plötzlich einen 3D-Drucker und fragten interessiert nach. So konnten wir nach und nach ein Fundament aufbauen.

Philipp Binkert: Ich wollte von Anfang an eine Art Walk-In-Shop aufbauen. Kunden sollen jederzeit mit ihrem Anliegen vorbeikommen können und eine unkomplizierte Dienstleistung bekommen. So lag es auf der Hand, den Laden nicht irgendwo abseits zu platzieren, sondern mitten in der Stadt Zürich. Eben da, wo unsere Kunden sind. In Zürich gibt es extrem viele Architektenbüros. Das Potenzial ist gross.

Christiane Fimpel: Insgesamt bekommen wir sehr gutes Feedback von unseren Kunden. Sie mögen unsere unkomplizierte Art. Und sie mögen es, dass wir uns jeweils in ihre Situation hineinversetzen und mitzuhelfen versuchen, die Projekte wo möglich noch weiter zu optimieren. Wir verstehen uns nicht als wortlose Leistungserbringer, sondern vielmehr als beratende Leute mit einem gewissen Know-how, das wir sehr gerne mit anderen teilen.

Philipp Binkert: Aufgrund von einigen Erlebnissen kann ich sagen, dass auch Bauherren sehr positiv auf gedruckte 3D-Modelle reagieren. Details, die sie sich anhand einer technischen Zeichnung nur schwer vorstellen können, werden ihnen durch das Modell plötzlich klar. Natürlich kennt man die herkömmlichen Modelle. Und auch die Visualisierungen. Aber die gedruckten Modelle sind auf alle Fälle naher dran an der Realität.

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