Bauen für eine gute Sache

Beat Matter
Brian Locher (links) und Moritz Späh, Lehrlinge (August 2010)

Im Juli schickten die Robert Spleiss AG und die Jäggi + Hafter AG 19 Lernende nach Spiringen, um bei einem karitativen Bauprojekt für eine Bergbauernfamilie mitzuhelfen. Brian Locher, 21, Maurer-Lehrling, und Moritz Späh, 17, Zimmermann-Lehrling, waren mit dabei. (die baustellen Nr. 08/2010)

Brian: Die Gruppe, der ich angehörte, betätigte sich in der ersten der drei Projektwochen an der Arbeit. Als ich bei der Bergbauernfamilie in Spiringen im Schächental ankam, lief das Projekt bereits. Aufgrund neuer Vorschriften brauchte die Familie einen neuen Stall, den sie sich selbst nicht hätte leisten können. Beim Eintreffen war die Jauchegrube des neuen Laufstalls für zwölf Kühe bereits fertig. Wir bewährten die Bodenplatte, betoniert haben wir sie noch nicht. Als die dritte Gruppe nach der dritten Woche ihren Einsatz beendete, waren die Wände fertig betoniert. Es fehlte quasi nur noch die Holzkonstruktion für das Dach. Es war jedoch nicht unser Auftrag, das Projekt innert dreier Wochen von A bis Z durchzuführen. Es lief bereits vor unserem Einsatz. Und danach wurde es noch fixfertig gemacht.

Moritz: Die Teilnahme war schon obligatorisch. Aber soweit ich weiss, haben alle gerne mitgemacht. Man hat vor Ort wirklich gemerkt, dass man für einen guten Zweck arbeitet. Alle waren sehr motiviert. Rein von den Tätigkeiten her gingen wir allerdings mit derselben Einstellung und denselben Ansprüchen an saubere Arbeit ans Werk, wie auch sonst immer.

Brian: Es war zwar immer ein Polier vor Ort. Aber der liess uns vieles selbst machen. Wir haben mit ihm die Details besprochen und dann mehr oder weniger selbständig gearbeitet. Und auch selbständig gemerkt, wenn Fehler passierten – und dann korrigiert. Auf den sonst üblichen Baustellen muss immer alles zack zack gehen. Hier wurde uns gesagt, wir hätten Zeit.

Moritz: Wir konnten dadurch Arbeiten machen, die sonst nicht unbedingt von Lernenden, sondern eher von Akkordfirmen verrichtet werden. Das habe ich als Erfahrung geschätzt. Auch dass man sich als Lernende untereinander kennen lernen konnte, fand ich lustig.

Brian: Der Laufstall wurde, obwohl er für die arme Bauernfamilie zum grössten Teil fremdfinanziert war, nicht etwa Low-Budget-mässig erstellt. Wir haben für die zwölf Kühe derart viele Eisen verlegt und dafür so lange gebraucht, dass von einer Billig-Lösung nicht die Rede sein kann. Es war eine solide Sache. Der Beton wurde von Flüelen mühsam hochgekarrt. Das Werk hatte nur einen Zweiachser, der die Strecke schaffte. Er brauchte dafür eine Dreiviertelstunde. Das hat man dem Beton schon angemerkt. Bis wir ihn endlich verarbeiten konnten, hatte er beinahe schon abzubinden begonnen.

Moritz: Ich habe den Einsatz in keiner Weise als Ferien betrachtet. Ich war abends jeweils sehr müde, wohl auch wegen der geografischen Höhe. Um 22 Uhr schliefen jeweils schon die meisten, was sonst nicht so normal ist.

Brian: Ich fand es gut, eine Woche lang weg vom sonstigen Geschehen zu sein. Ich habe wieder zu lesen begonnen. Und die Aussicht, die wir dort oben am Berg geniessen konnten, bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Ein Riesen-Panorama. Ich habe es in der wenigen Freizeit während dieser Woche ruhig angehen lassen. Ich wusste, ich würde in der Folgewoche Ferien haben, in denen die Post genügend abgehen würde.

Moritz: Wir haben immer gemeinsam mit der Bauernfamilie Znüni gegessen. Am Mittag lieferte ein Restaurant Esswaren, welche die Bauersfrau für uns kochte. So sind wir jeweils zusammen gesessen und haben deutlich gemerkt, wie gross die Wertschätzung der Familie ist.

Brian: Sie leben wirklich extrem. Es ist alles auf dem einfachsten Standard. Das Bauernhaus sieht recht abgekämpft aus. Aber die Familie ist glücklich. Alle lachten die ganze Zeit. Offensichtlich haben sie alles, was sie brauchen.

Moritz: Im Winter ist dort oben alles zugeschneit. Dann läuft nichts mehr. Auch sonst müssen sie, um einkaufen zu gehen, eine halbe Stunde Auto fahren. Das fand ich schon erstaunlich. Ich fragte denn Bauern einmal, ob er auch schon in Zürich gewesen sei. Er sagte, er sei mal in Wädenswil gewesen und an Zürich vorbeigefahren. Ehrlich, ich habe gar nicht gewusst, dass es Menschen gibt in der Schweiz, die noch nie in Zürich waren.

Beat Matter