Wissen, woher ein Franken kommt

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Für den Fall, dass wir bloss auf der Suche nach Inseraten seien, bot uns This Jenny, Glarner SVP-Ständerat und Bauunternehmer, freundlich an, gleich wieder zu verreisen. Für dieses erfrischende Gespräch sind wir gerne geblieben. (die baustellen Nr.04/2008)

«die baustellen»: Ein Ahnenforscher hat kürzlich festgestellt, dass Sie ein Cousin 22. Grades des Glarner SP Nationalrats Werner Marti sind. Gibt es auch gradlinigere Verbindungen zur Linken?
This Jenny: Ja. Peter Jenny, mein Stiefbruder, war Kantonsrat und ein führender Linker der SP Glarus. Weitere familiäre Verbindungen zur Linken habe ich nicht. Allgemein komme ich mit Rechts und Links gleichermassen gut aus. Hingegen ist man in der Sachpolitik unterschiedlicher Auffassung. Aber ich habe keine Probleme mit Andersdenkenden.

Nimmt man im Bundeshaus die Links- Rechts-Polarisierung ähnlich stark war, wie sie von aussenstehenden Beobachtern immer wieder dargestellt wird?
Im Nationalrat ist diese Polarisierung vorhanden. Im Ständerat spielt sie keine Rolle. Man geht unabhängig der politischen Schattierung zum gemeinsamen Nachtessen. Ich spiele in einer parlamentarischen Tennis-Gruppe und bin im FC Nationalrat. Solche Aktivitäten führen zu einer anderen Tonalität, als wenn man überhaupt keine Gemeinsamkeiten hat.

Ist die Arbeit im Ständerat einfacher als im Nationalrat?
Im Nationalrat sitzen 200 Personen, wir sind 46. Dort ist der Kampf unter den Platzhirschen grösser. Auch der Kampf um Medienpräsenz. Der Ton ist völlig anders. Bei uns ist er moderater.

Auch gepflegter?
Na ja. Diesbezüglich bin ich ein atypischer Ständerat. Ich würde eher in den Nationalrat passen.

Sie müssen sichzurücknehmen?
Müsste ich, mache ich aber nicht. Dennoch, im Ständerat herrscht allgemein ein gesetzteres Alter vor, was zu einem humaneren Umgang führt – zu einer gewissen staatsmännischen Art.

Stimmen Sie im Zweifelsfall für Ihren Kanton oder für Ihr Unternehmen?
Diese Frage stellt sich nie. Weder im Kantonsrat noch in Bern habe ich je auf allfällige Aufträge oder auf die Baubranche Rücksicht genommen. Wenn ich das Gefühl habe, eine Sache sei für eine Region oder für die Zukunft unseres Landes wichtig, dann stimme ich zu. Wenn ich meine, die Sache sei Nutzlos und es werde bloss Geld verschwendet, dann lehne ich ab. Grundsätzlich bin ich Vertreter des Kantons Glarus.

In der Frühjahrssession wurde eine Motion von Ihnen behandelt, in welcher Sie die beste verfügbare Abgastechnologie für alle Dieselmotoren fordern. Was bringt denn das dem Kanton Glarus?
Das hat keinen direkten Zusammenhang mit dem Kanton Glarus. Die Luft macht schliesslich nicht vor der Kantonsgrenze Halt. Motivator war die Feststellung, dass unsere Leute im direkten Umfeld dieser Maschinen arbeiten und Dieselpartikel offensichtlich schädlich sind. Die Motion betrifft jedoch alle Dieselmotoren, nicht bloss jene der Baubranche. Obwohl wir bloss 12 Prozent des gesamten Ausstosses produzieren, wurden wir nämlich bereits vor zehn Jahren zu den Prügelknaben der Nation gemacht, während man alles andere ausgeblendet hat. Daran habe ich mich immer gestossen.

Ihre Motion widerspricht der Position Ihrer Parteikollegin Jasmin Hutter. Führt das zu internen Reibereien?
Das gibt überhaupt keine Reibereien. Jasmin Hutter hat sich vor allem daran gestört, dass wir unabhängig vom Stand der Technik gezwungen waren, Partikelfilter einzuführen. Das hat schlicht nicht funktioniert. Dies war für Hutter der Beweggrund, dagegen zu protestieren. Heute ist man weiter, es ist Stand der Technik und da führt nun kein Weg mehr daran vorbei.

Was ist einfacher: Eine Motion durchbringen oder ein Haus bauen?
Beides ist nicht ganz einfach. Wer eine Motion durchbringen will, muss überparteilichen Rückhalt geniessen. Das bedingt, dass die Motion sinnvoll ist und viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Die Motion muss einem Bedürfnis entsprechen.

Ist es schwieriger geworden, überparteiliche Mehrheiten zu bilden?
Nicht unbedingt. Es kommt auf die Sache an. Die Interessen in der Schweiz sind mannigfaltig und auch das Lobbying, das betrieben wird, ist sehr unterschiedlich.

Welchen Einfluss hat die Bau-Lobby?
Es gibt Lobbyisten, die viel stärker sind. Die Landwirtschaft oder auch die Energie- Branche sind unter anderen sehr viel besser vertreten als wir. Mit Werner Messmer an der Spitze haben wir zwar einen Verband, der gut geführt ist. Aber es könnte noch besser sein.

Wie schwer fällt es Ihnen, Kompromisse zu machen?
Ich gehe nie mit dem Ziel an eine Sitzung, einen Kompromiss zu schliessen. Grundsätzlich will ich das durchbringen, wovon ich überzeugt bin. Der Kompromiss ist dann allenfalls das Resultat von verschiedenen Sitzungen. Wenn ich alles mir Mögliche gemacht habe, um meine Interessen zu vertreten, kann ich auch mit einem Kompromiss zufrieden sein. Unzufrieden bin ich, wenn mich nicht genügend engagiert oder nicht genügend Zeit aufgewendet habe.

Über welche Eigenschaften muss ein Ständerat verfügen?
Er sollte Gelassenheit ausstrahlen, Lebenserfahrung mitbringen und meiner Meinung nach eine gewisse unternehmerische Erfahrung haben. Er sollte wissen, woher ein Franken kommt.

Sie würden es begrüssen, wenn mehr Unternehmer im Ständerat sässen?
Natürlich braucht es verschiedene Berufsgattungen. Generell mangelt es allerdings an der unternehmenspolitischen Haltung. Wir Unternehmer sind es gewohnt, dass jeder Franken, der ausgegeben wird, zuerst eingenommen werden muss. Das führt zu einer ganz anderen Denkweise.

Braucht es eine dicke Haut?
Das kommt auf den Polit-Stil an. Wer anpasserisch ist und sich stromlinienförmig verhält, der braucht keine dicke Haut. Die braucht, wer zu seiner Meinung steht, wer gegen Widerstände kämpft und auch dann Nein sagt, wenn es bequemer wäre, Ja zu sagen. Es braucht Mut, Unpopuläres zu vertreten. Der Mensch neigt von Natur aus eher zur Harmonie.

Gibt es im Ständerat viele dieser Stromlinienförmigen?
Ich als Mitglied kann das nicht beurteilen. Aber die gibt es nicht nur im Ständerat, sondern generell in der Politik, wo viele wieder gewählt werden wollen. Nur wenige Politiker sind in der komfortablen Lage, dass sie sagen können, sie hätten im Falle einer Abwahl noch immer einen erfüllenden Beruf. Für manchen Politiker wäre eine Abwahl der soziale Absturz in einen luftleeren Raum. Deshalb gibt es teilweise Situationen, in welchen es offensichtlich ist, dass eine Äusserung nicht der ureigenen Überzeugung desjenigen entsprechen kann, der sie tätigt. Er macht die Äusserung im Interesse der Wählerschaft, die er braucht und die er nicht vor den Kopf stossen kann. Gefangen in dieser Abhängigkeit kann nicht jeder ehrlich politisieren – auch wenn er das vielleicht gerne würde.

Als SVP-Politiker ist für Sie Demokratie ein hoher Wert. Wie demokratisch ist Ihr Unternehmen aufgebaut?
Durch meine politische Tätigkeit bin ich gezwungen, zwei Geschäftsführer einzusetzen. Je einen in den Geschäften Rapperswil und Bilten. In jedem Geschäft haben wir sechs Bauführer. Die sind sehr selbstständig und verfügen über einen grossen Handlungsspielraum. Bei aller Diskussionsfreiheit müssen allerdings irgendwann Entscheidungen gefällt werden. Dafür bin ich als Vorsitzender der Geschäftsleitung zuständig.

Wie läuft das Geschäft?
Bisher ist es immer gut gelaufen. Wir sind zu 100 Prozent eigenfinanziert, haben nirgendwo eine Hypothek.

Welche Strategie verfolgen Sie, damit das so bleibt?
Das Unternehmen hat momentan eine Grösse, von der ich glaube, dass wir bei jenen Projekten, die ich anpeile, konkurrenzfähig sind. Ich neige eher dazu, ein wenig zu reduzieren, dafür wirklich nur noch mit ausgesuchten und hoch motivierten Leuten zu arbeiten. Bei grösseren Projekten mit entsprechenden Volumen gehe ich Arbeitsgemeinschaften mit Unternehmen ein, die ähnlich ticken wie wir.

Wie wichtig ist Ihnen die Unabhängigkeit?
Das ist für mich beinahe das Wichtigste. Lieber verdiene ich etwas weniger Geld, bin dafür aber keiner Bank Rechenschaft schuldig. Es wäre für mich der blanke Horror, wenn ich zuerst eine Bank fragen müsste, bevor ich eine Investition tätigen kann. Oder wenn ich einen Kredit aufnehmen müsste, um meine Leute zu zahlen. So etwas wird mir nie passieren.

Dann führen Sie folglich keine grossen Bankengespräche.
Nein, das kenne ich nicht. Als mich einmal ein Banker kontaktierte und die Bilanz des Unternehmens verlangte, schlug ich ihm vor, er solle mir doch lieber die Bilanz der Bank vorlegen, schliesslich habe ich sehr viel mehr Geld bei ihm als er bei mir.

Was halten Sie von der Akademisierung des Baugewerbes?
Es gibt Bereiche, beispielsweise der Tunnelbau, in denen man gar nicht darum herum kommt. Da braucht es studierte und qualifizierte Fachleute. Es muss natürlich darauf geachtet werden, dass es auch noch Leute gibt, die produktiv arbeiten und dort bringt ein Studienabschluss nicht sehr viel. Es braucht beides an seinem jeweiligen Platz.

Es geht dabei ja nicht bloss um den Arbeiter auf der Baustelle, sondern auch um den Herrn im Büro. Sie selbst haben jüngst gesagt, die bezahlten Manager der Grossfirmen hätten den Bezug zur Basis verloren. Ein Chef, der beispielsweise gelernter Maurer ist, macht sich bei schlechter Witterung Gedanken über die Arbeitsbedingungen seiner Leute. Ein Ingenieur wird sich diesbezüglich keine grossen Sorgen machen. Er kann sich gar nicht vorstellen, was es bedeutet, tagelang bei schlechtem Wetter draussen zu sein. Sicher, es gibt welche, die sich ein solches Gespür mit der Zeit aneignen können. Aber meine Erfahrung ist es, dass sie weniger mitleben und mitdenken.

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Es dürfte etwas härter werden, es sieht aber nicht schlecht aus. Wir sind stark vertreten im Autobahnbau, bei Brücken, bei Bahnhöfen und Kraftwerken. Der klassische Wohnungsbau ist nicht sehr zukunftsträchtig und von den finanziellen Erträgen her auch nicht mehr unbedingt das, was wir suchen.

Wie schätzen Sie die Bau-Konjunktur allgemein ein?
Im Wohnungsbau erwarte ich eine Abschwächung. Der Infrastrukturbau wird wegen der Euro und dem Übergang des Nationalstrassenbaus zum Bund ein bis zwei Jahre etwas schwächer werden. Danach legt der Infrastrukturbau aber wieder zu. Davon bin ich fest überzeugt.

Sie sprechen bloss von schwächerem Wachstum, nicht aber von Rückgang. An einen allgemeinen Rückgang glaube ich nicht. Wie gesagt, wird der Wohnungsbau abnehmen. Schliesslich müssen all die Wohnungen, die wir das ganze Jahr hindurch bauen, zuerst mal von jemandem bewohnt werden. Nicht vergessen darf man allerdings die erneute Zuwanderung von 80 000 Personen in die Schweiz. Das wird mit der Personenfreizügigkeit nicht abnehmen, was dem Wohnungsbau etwas helfen kann.

Durch das Wachstum der grossen Schweizer GU’s oder auch den Einzug des deutschen Riesen Hochtief entsteht der Eindruck, der Bau-Kuchen verteile sich auf immer weniger, dafür grössere Teilnehmer. Teilen Sie diese Ansicht?
Ja. Das rührt nicht zuletzt daher, dass gewisse Kantone, vor allem aber der Bund, sehr grosse Lose machen. Wenn es Ausschreibungen in Milliardenhöhe gibt, kann der Wettbewerb nicht mehr gleich spielen. Bei solchen Volumen können vielleicht noch zwei Unternehmungen anbieten. Ausschreibungen über beispielsweise zehn Millionen öffnen hingegen einen Markt mit immer mindestens sieben bis zehn Anbietern. Der Bund als einer der grössten Auftraggeber muss darauf bedacht sein, auch die grösseren Lose in Dimensionen zu halten, in denen der Wettbewerb noch spielt.

Weshalb vergibt der Bund derart grosse Lose?
Es wird für ihn natürlich einfacher. Die Schnittstellen reduzieren sich markant. Der Bauherr kann sich eher zurücklehnen. Ob das im Sinne des Steuerzahlers ist, ist wieder eine ganz andere Frage.

Könnte denn das Problem nicht politisch gelöst werden?
Doch, das kann man und das versuchen wir auch. Wir machen permanent darauf aufmerksam, nicht zuletzt auch auf das Problem mit den Präqualifikationen. Wenn nämlich bei einem Mammut-Projekt die Präqualifikation just von drei Unternehmungen geschafft wird, dann ist die Anbieterschaft zahlenmässig nicht gross genug.

Würden Sie unter den gegebenen Umständen überhaupt noch von einem fairen Wettbewerb sprechen?
Nicht mehr in jedem Bereich. Grundsätzlich spielt der Wettbewerb schon, wie man auch bei den grossen Tunnelbau-Projekten sehen konnte. Hingegen setze ich bei Infrastrukturbauten, wie beispielsweise bei der Bahntechnik am Gotthard, sehr grosse Fragezeichen. Man muss einfach dagegen halten, wenn die Tendenz weg vom Wettbewerb führt.

Das Wachstum der grossen Schweizer Unternehmen hat auch Nebeneffekte. So musste sich beispielsweise eine Implenia gegen eine ausländische Übernahme wehren. Eine Folge mangelnder Bescheidenheit?
Gegen die Gefahr einer Übernahme ist grundsätzlich kein börsenkotiertes Unternehmen gefeit.

Um für eine ausländische Übernahme lukrativ zu sein, braucht das Schweizer Unternehmen zunächst eine gewisse Grösse.
Ja. Und offensichtlich haben einige Leute das Gefühl, Implenia sei unterbewertet. Russische Investoren sind bei Strabag mit 1,3 Milliarden eingestiegen und auch Implenia pflegt eine Kooperation mit Russland. Die internationale Ausrichtung bedeutet für uns schlicht, dass wir gegen Mitbewerber kämpfen müssen, die über bedeutend mehr Mittel in der Kriegskasse verfügen als wir kleinen und mittleren Unternehmen.

Glauben Sie denn, der Einfluss ausländischer Unternehmen auf das klassische Baugewerbe wird künftig gross sein?
Das glaube ich nicht, solange die ihre Kriegskasse nicht unbeschränkt öffnen. In der Diskussion über Grossunternehmen dürfen allerdings die Vorteile von uns Kleinen und Mittleren nicht vergessen werden. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen ist ungleich grösser und mit ihr die Bereitschaft, Ausserordentliches zu leisten. Es gibt allgemein eine viel engere persönliche Beziehung. Bei uns ist beispielsweise jeder mit jedem per Du. Wenn ein Mitarbeiter Probleme mit der Frau, rechtliche Probleme oder Probleme mit der Bank hat, dann kommt er zu mir ins Büro und wir suchen nach Lösungen.

Ist das die Mentalität von KMU‘s oder jene von Glarnern?
Es ist sicher meine. Ich war lange Zeit Maurer und bin sehr mittellos aufgewachsen. So verfüge ich eher über ein offenes Ohr für Leute, die in Schwierigkeiten sind.

Stichwort Schwierigkeiten. Wie ist momentan die Stimmung im Baumeisterverband?
Die ist gut, obwohl die Presse gerne jeden Tag etwas Anderes herbeireden würde. Wenn eine demokratisch durchgeführte Versammlung den Kurs des Verbandes mit 86 zu 14 Stimmen bestätigt, gibt es keinen Grund zur Aufregung. Es ist absolut normal, dass nicht alle gleicher Meinung sind. Dass einige Grosse an jener Flexibilität, die wir wollen, keine Freude haben, liegt auf der Hand, weil sie ihnen nichts nützt. Die meisseln im Januar den Arbeitszeitplan in Stein und rücken dann kein Stück mehr davon ab. Wir hingegen planen beinahe Tag für Tag flexibel.

In anderen Branchen funktioniert die Arbeit mit Jahresstundenzahlen einwandfrei. Weshalb soll das in der Baubranche nicht gehen?
Fragen Sie mich etwas Einfacheres. Wir haben den härtesten Gesamtarbeitsvertrag, der überhaupt möglich ist. Ein Regelwerk von hundert Seiten. Ohne Juristen im Unternehmen wird die Handhabung schwierig. Wir waren viel zu lange viel zu grosszügig und kamen jedem und allem entgegen. Das Verrückte an der momentanen Situation ist, dass meine Leute genau jene Flexibilität wünschen, die untersagt werden soll. Sie wollen dann arbeiten, wenn das Wetter gut ist und dann daheim bleiben, wenn die Witterung ungesund ist. Der heutige Mitarbeiter, und das gilt nicht bloss für die Baubranche, hat nicht mehr das Problem von zu wenig Freizeit, sondern allenfalls das Problem von zu wenig Geld in der Lohntüte. Das Leben in der Schweiz ist teuer. Also will der Mitarbeiter, wenn er sich etwas Besonderes leisten möchte, mehr verdienen können, sprich mehr arbeiten. Das wird mit diesen strengen Vorschriften unterbunden. Es heisst zwar, man könne durchaus länger arbeiten. Ich als Arbeitgeber muss dann allerdings jede Überstunde mit 25 Prozent Lohnzuschlag abgelten, was sich schlicht niemand mehr leisten kann. Bei uns sieht die Situation so aus, dass es sehr vielen Angestellten sehr gut geht. Und es geht ihnen gut, weil sie mehr gearbeitet haben, als der GAV zulässt. Sie haben für die Situation überhaupt kein Verständnis.

Was versprechen sich die Gewerkschaften davon?
Früher arbeitete man häufig auch am Samstag bis 17 Uhr. Damals war eine Instanz durchaus angebracht, die klarstellte, dass dies nicht die Norm sein könne. Zu dieser Zeit waren die Forderungen der Gewerkschaften gerechtfertigt. Heute müssen wir allerdings aufpassen, dass bald nicht mehr nur 38 Stunden gearbeitet wird. Man kann zurzeit gut beobachten, wie weit es die Gewerkschaften gebracht haben und wie stark sie geworden sind. Mit sehr starken Gewerkschaften wird allerdings langfristig niemand wirklich Erfolg haben.

Wie wird der Streit ausgehen?
Ich hoffe, der Baumeisterverband gibt nicht so schnell nach. Schliesslich halten wir alle den GAV von 2006 ein, wozu der Verband auch aufgerufen hat. Als Politiker, der etwas mehr im Rampenlicht steht, werde ich natürlich dafür sorgen, dass mit der Überzeitenregelung alles korrekt abläuft.

Wie erholt sich This Jenny?
Das Bedürfnis, mich erholen zu müssen, spüre ich fast nie. Dennoch treibe ich intensiv Sport. Daneben bin ich ein leidenschaftlicher «Hündeler». Ich gehe gerne mit meiner Familie und dem Hund wandern.

Sie haben neun Mal in Folge das Parlamentarier- Skirennen gewonnen. Sind sie bereit für den zehnten Coup?
Ich bin bereit, kenne aber die veränderten Kräfteverhältnisse noch nicht, die sich jeweils nach Neuwahlen ergeben. Und zu meinem Leidwesen werde ich mit den Jahren auch nicht jünger und schneller.

Anmerkung der Redaktion: Kurz nach dem Interview fand in Davos das Parlamentarier-Skirennen statt. This Jenny konnte seinen zehnten Sieg in Folge nicht ins Trockene fahren. Er platzierte sich auf dem zweiten Rang hinter SVP-Nationalrat Jürg Stahl. Dritter wurde FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel.

Beat Matter